Berlin

Die automatisierte Geldanlage

Digitale Vermögensverwalter öffnen sich einer breiteren Schicht von Anlegern mit unterschiedlichen Angeboten

Die Digitalisierung der Finanzdienstleistungen schreitet mit immer komplexeren Produkten weiter voran. Mehrere Unternehmen bieten digitale Vermögensverwalter an. Damit erschließen sie einer neuen Kundenschicht eine bislang exklusive Anlageform und versuchen, ein Geschäftsfeld der Finanzwirtschaft zu kapern.

Vermögensverwaltung fand bislang in Büros mit flauschigen Teppichen und edelholzvertäfelten Wänden statt. Vorgelassen wurde nur, wer einen mindestens sechsstelligen Betrag mitbrachte. Die Einstiegsschwelle war so hoch, dass solche Investments für den durchschnittlichen Anleger ausschieden. Das ändert sich dank neuer digitaler Dienstleistungen von Unternehmen wie Liqid, Scalable oder Solidvest gerade fundamental.

Der digitale Vermögensverwalter Solidvest ist das erste Projekt von FinTechCube, einem Joint Venture des Berliner Unternehmensentwicklers etventure und der Finance Base AG, welches sich auf den Bereich der Finanzdienstleistungen spezialisiert. „Wir wollen etablierte Finanzdienstleister unterstützen, denen die Werkzeuge und die Methodik fehlen, um eine digitale Vermögensverwaltung aufzubauen“, sagt Gregor Puchalla, einer der Gründer und Geschäftsführer des FinTechCube.

Solidvest ist der digitale Arm der vor mehr als 40 Jahren gegründeten Vermögensverwaltung DJE Kapital AG aus München. Sie verwaltet ein Vermögen von elf Milliarden Euro. Ihr Angebot war bislang Kunden vorbehalten, die mehr als 500.000 Euro anlegen wollten. Analysten des Geldhauses stellen je nach der gewählten Risikoklasse Portfolien aus bis zu 30 Aktien und 20 Staatsanleihen zusammen.

„Die DJE will mit Solidvest neue Zielgruppen erreichen“, sagt Puchalla. Das sind Menschen, die weder Zeit noch Lust zu Beraterbesuchen haben und rund um die Uhr Zugriff auf ihre Anlagen wollen. Andererseits wollen sie sich aber nicht zu intensiv mit der komplizierten Materie befassen und das lieber Experten oder intelligenten Maschinen überlassen. „Sie wollen Einfluss haben, aber nicht Selbstentscheider sein.“

Der Unterschied zur analogen Vermögensverwaltung besteht bei Solidvest für den Kunden in der Beratung. Das persönliche Gespräch entfällt: Analysten investieren gemäß dem vom Kunden an seinem Computer eingestellten Risikoprofil in Einzeltitel. Diese werden durch das Research-Team aus dem globalen Aktien- und Anleihenspektrum der DJE ausgewählt.

Neue Nutzer werden bei der Regis­trierung im Internet zunächst nach ihrer Einkunft- und Vermögenslage befragt sowie nach ihrer Fachkenntnis. Ein Tutorial klärt mit Texten auf, was es mit Anleihen, Aktien, Währungen und Tagesgeld auf sich hat.

Im folgenden Schritt kann der Kunde seine Kapitalanlage gemäß seinen Wünschen personalisieren. Will er einen Schwerpunkt auf den Technologiesektor, auf skalierbare Geschäftsmodelle oder doch eher auf Rohstoffe oder Luxusprodukte legen? Insgesamt zehn solche Themen stehen bereit, die der Nutzer per Schieberegler mit einem Faktor von bis zu 1,75 gewichten kann.
Die Mindestanlage beläuft sich auf 25.000 Euro. Für Anleger fallen Gebühren von 1,4 Prozent der Anlage an.

Vermögensverwalter der Quandt-Familie

Einen anderen Weg beschreitet die digitale Vermögensverwaltung Liqid, die nach eigenen Angaben acht Monate nach dem Marktstart ein Anlagevermögen von 100 Millionen Euro eingesammelt hat – pro Kunde im Durchschnitt 260.000 Euro. Übrigens nicht nur von Zahnärzten und Rechtsanwälten.

Liqid-CEO Christian Schneider-Sickert sieht über Alters-, Einkommens- und Berufsgrenzen hinweg einen Bedarf an einer individuellen Vermögensverwaltung.

Das Berliner Unternehmen bietet zwei Produkte an: Global und Select. Beim ersten handelt es sich um einen Robo-Advisor, also ein Computerprogramm, das Anlagen in Indexfonds (ETF) abgestuft in zehn Risikoklassen anbietet. Hinter dem Produkt Select steht das Investmentteam der Vermögensberatung HQ Trust, der Vermögensverwaltung der Familie Harald Quandt. Es investiert von Analysten gesteuert in den Anlageklassen Aktien, Anleihen, Gold, Rohstoffe, Hedgefonds, Geldmarkt. Ferner besteht die Möglichkeit, privates Beteiligungskapital an nicht börsennotierten Unternehmen zu investieren, was bisher nur Großanlegern offenstand. „Die Mindesteinlage beläuft sich auf 100.000 Euro bei Global und Select mit Gebühren zwischen 0,25 und 0,9 Prozent und auf 250.000 Euro bei Private Equity mit Gebühren ab durchschnittlich 0,6 Prozent pro Jahr.“

Scalable, der dritte größere Anbieter mit einem verwalteten Vermögen von 250 Millionen Euro, investiert ausschließlich in Fonds, die einen Börsenindex abbilden, wobei Kunden zwischen 23 Risikoklassen wählen können. Hier ist die Einstiegshürde mit einem Mindestinvestment von 10.000 Euro am niedrigsten. Siemens bietet seinen Mitarbeitern in Deutschland zur Vermögensbildung Kapitalanlagen bei Scalable an.