Start-up-Konzern

Rocket Internet bleibt optimistisch

Der Berliner Start-up-Konzern hat die Verluste seiner Beteiligungen verringert. Es ist offenbar noch genug Geld da.

Das Management von Rocket Internet ist zufrieden: Die Vorstandsmitglieder Peter Kimpel (l.) und Alexander Kudlich sowie Vorstandschef Oliver Samwer (r.)

Das Management von Rocket Internet ist zufrieden: Die Vorstandsmitglieder Peter Kimpel (l.) und Alexander Kudlich sowie Vorstandschef Oliver Samwer (r.)

Foto: Reuters/Orlowski

Berlin. Das Unternehmen Rocket Internet hat für das Geschäftsjahr 2016 widersprüchliche Nachrichten veröffentlicht. Einerseits seien die Verluste seiner großen Beteiligungsfirmen gesunken, erklärte Vorstandschef Oliver Samwer während einer Telefonkonferenz am Dienstag. Andererseits erhöhte sich der Verlust bei der Muttergesellschaft auf mehr als das Dreifache des Betrags von 2015. Dennoch sehen Samwer und Finanzchef Peter Kimpel das Unternehmen auf dem richtigen Kurs.

Rocket Internet (RI) kopiert Geschäftsmodelle, gründet Firmen für den Online-Handel und verbreitet diese in möglichst vielen Ländern. Das 2007 gegründete Konglomerat mit Sitz in Berlin hält beispielsweise Anteile der Hausdienst-Vermittlung Helpling und des Internethändlers Zalando. Zu den wichtigsten Beteiligungen gehören derzeit der Kochbox-Anbieter Hellofresh und Delivery Hero, eine Online-Plattform für Essenslieferdienste.

Selbst für Fachleute ist es schwer zu durchschauen, wie profitabel, solide und aussichtsreich die RI-Geschäfte sind. Möglicherweise weiß es der Vorstand selbst nicht so genau. Die Start-up-Gründer arbeiten mit hohem Risiko. Die Portale sollen schnell wachsen, ob sie profitabel sind, ist meist zweitrangig. Deshalb benötigt RI Geld von der Börse und Investoren, um das Unternehmen am Laufen zu halten. Im Vergleich zum Börsengang im Oktober 2014 liegt der Kurs der RI-Aktie heute bei unter 50 Prozent. Am Dienstag schwankte ihr Wert um 16,30 Euro. RI stand unlängst unter Druck, nachdem Großaktionär Kinnevik im vergangenen Februar die Hälfte seiner Anteile abgestoßen hatte.

Die großen Beteiligungen konnten ihre Verluste 2016 den Angaben zufolge verringern. Das operative Minus (Ebitda) ausgewählter Start-ups – von Hellofresh bis zu den Möbelhändlern Westwing und Home24 – schrumpfte um 234 Millionen auf rund 360 Millionen Euro. Der Umsatz legte zugleich um 29 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu. Für Finanzchef Peter Kimpel war "2016 ein gutes Jahr". Trotz der Verluste sei die Profitabilität wichtiger Beteiligungen gestiegen.

Das Unternehmen verspricht, dass drei Töchter bis zum Ende des Jahres 2017 die Gewinnzone erreichen. Wann es zum nächsten Börsengang kommt, ließ Samwer offen. Das Börsenumfeld habe sich verbessert, sagte Kimpel lediglich. Gute Chancen rechnet sich RI für den Lieferdienst Delivery Hero (Lieferheld, pizza.de, Foodora) aus. Dieser erklärte kürzlich, "verschiedene Finanzierungsoptionen, einschließlich eines potenziellen Börsengangs", zu prüfen. Das Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern in gut 40 Ländern wird mit mehr als drei Milliarden Euro bewertet.

Die Muttergesellschaft machte 2016 einen Verlust von 741,5 Millionen Euro. Der Grund dafür sind unter anderem Abschreibungen beim Modehändler Global Fashion Group. Verfügbares Geld hat das Unternehmen angeblich aber genug. Die Summe wird auf 1,5 Milliarden Euro beziffert, bei den Beteiligungen zusätzlich auf 800 Millionen Euro.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.