Luftfahrt

Air Berlin und Lufthansa: Spekulationen über Geheimtreffen

Marktbeobachter spekulieren über eine engere Zusammenarbeit von Air Berlin und Lufthansa. Doch der neue Konzernchef hat eigene Pläne.

Air Berlin verleiht 38 ihrer Flieger samt Piloten und Bordpersonal an die Lufthansa-Tochter Eurowings.

Air Berlin verleiht 38 ihrer Flieger samt Piloten und Bordpersonal an die Lufthansa-Tochter Eurowings.

Foto: imago stock / imago/Ralph Peters

Berlin.  Ein Treffen zwischen Vertretern von Air Berlin und der Flugbegleitergewerkschaft Ufo nährt Spekulationen über die Zukunft der angeschlagenen Fluggesellschaft – und eine deutlich engere Zusammenarbeit der Berliner mit dem Konkurrenten Lufthansa. "Derzeit ist viel Bewegung im Markt", sagt ein Experte. Und die schwierige Lage bei Air Berlin regt die Fantasie an.

Die Spekulation geht so: Ufo vertritt das Kabinenpersonal unter anderem bei Lufthansa. Und im Zuge des Konzernumbaus verleiht Air Berlin 38 ihrer Flieger samt Piloten und Bordpersonal an die Lufthansa-Tochter Eurowings. Eine gewisse Nähe gibt es also bereits zwischen den Fluggesellschaften. Zudem lief es im vergangenen Jahr bei Air Berlin finanziell nicht gut.

Kommende Woche wird der neue Firmenchef Thomas Winkelmann, übrigens ein ehemaliger Lufthansa-Manager, einen Rekordverlust verkünden, wie ein Insider berichtet. Dieses Minus hat allerdings Vorgänger Stefan Pichler zu verantworten. Die Lösung könnte den Spekulationen zufolge so aussehen: Der Air-Berlin-Flugbetrieb geht an Lufthansa, die damit ihre Billigflugkette Eurowings schneller als geplant ausbauen könnte.

Die Sache mit den Kartellbehörden

Die Geschichte klingt einfach und plausibel, hat aber einige nicht ganz so offensichtliche, allerdings große Schwierigkeiten: Die Kartellbehörden würden ein solches Zusammengehen der Nummer eins und zwei in Deutschland ziemlich sicher untersagen. Zudem drücken Air Berlin rund eine Milliarde Euro Schulden, die Lufthansa nicht übernehmen würde.

Air-Berlin-Chef Winkelmann hat zudem eigene Pläne. Der Manager, der im Februar bei Air Berlin startete, will, wie zu hören ist, die Kosten der Fluggesellschaft drücken und die Erträge pro Passagier erhöhen – in der Vergangenheit ein Problem des Unternehmens. Teil dieses Plans ist der Umzug von Verwaltungsmitarbeitern aus Düsseldorf nach Berlin, wo das Unternehmen die Einsatzplanung für Piloten und Kabinenpersonal konzentrieren möchte.

Was plant Billigflieger Easyjet?

Seit Herbst wird Air Berlin umgebaut: Künftig konzentriert sich die Gesellschaft auf die beiden Flughäfen Düsseldorf und Berlin, fliegt große Städte in Europa an und baut das Langstreckengeschäft aus, vor allem in die USA. 38 Maschinen sind an Lufthansa verleast, das Ferienfluggeschäft wickelt die Tochter Niki ab, die in einem Gemeinschaftsunternehmen von Air-Berlin-Großaktionär Etihad und dem Reisekonzern TUI aufgehen soll – der Start verzögert sich allerdings.

Möglicherweise versucht Winkelmann auch, Air Berlin für neue Investoren interessant zu machen, genannt wird hier die britische Billigfluglinie Easyjet. Bereits vor einem Jahr gab es Spekulationen, die beiden Unternehmen könnten sich annähern. Derzeit ist die arabische Fluggesellschaft Etihad mit 29,12 Prozent größter Einzelaktionär, vor der türkischen Esas Holding mit gut zwölf Prozent. Das Unternehmen aus Abu Dhabi hält die Berliner seit Jahren in der Luft.

Weder Geheimplan noch Geheimtreffen

Air Berlin hält sich bedeckt. Sprecher Ralf Kunkel sagte, man kommentiere Marktspekulationen grundsätzlich nicht. Zum Treffen der Firmenmanager mit Vertretern der Flugbegleitergewerkschaft Ufo wird er konkreter: Es habe nichts mit einer Eingliederung Air Berlins bei Lufthansa zu tun. Es sei vielmehr um den Umzug der Verwaltungsmitarbeiter von Düsseldorf nach Berlin gegangen. "Das Treffen war seit Anfang Februar fest vereinbart", sagte Kunkel. "Es gibt weder einen Geheimplan noch ein Geheimtreffen."

Der Umzug betrifft etwa 40 Mitarbeiter. Air Berlin arbeitet hier offenbar nicht so, wie sich die Beschäftigten das vorstellen. Das Management handle übereilt und löse so ein Chaos aus, sagte die zuständige Verhandlungsführerin Anja Schlosser bei der Gewerkschaft Verdi. Viele erfahrene Dienstplaner hätten Air Berlin verlassen, weil sie nicht umziehen wollten. "Immer weniger Mitarbeiter müssen immer mehr fliegendes Personal planen und betreuen", heißt es in einem offenen Brief der Personalvertretung Kabine. "Fehler und Krankheit sind die Folgen." Air-Berlin-Sprecher Kunkel sprach hier von Einzelfällen.

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