Wirtschaft

So stellen Sie die Weichen für die Steuererklärung 2017

Mehr Nettolohn durch richtige Kombination der Steuerklassen. Auch mit Freibeträgen lassen sich die Forderungen des Fiskus begrenzen

Steuerzahler müssen nicht erst bis zur Steuererklärung warten, um sich Geld vom Finanzamt zurückholen zu können. Mit der richtigen Kombination der Steuerklassen können sich Ehepaare bereits im laufenden Jahr einen höheren Nettolohn sichern. Und wer schon heute weiß, dass er hohe Ausgaben etwa für die Betreuung der Kinder hat, kann sich einen Lohnsteuerfreibetrag als elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal (ELStAM) eintragen lassen. "So lässt sich die Abgabenlast bereits im Laufe des Jahres mitunter deutlich reduzieren", sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer beim Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL).

Ohne Grenze Ausgaben etwa für haushaltsnahe Dienstleistungen können Steuerzahler vom ersten Euro an als Freibetrag eintragen lassen. Eingetragen wird der vierfache Betrag. Bei einer geringfügigen Beschäftigung akzeptieren die Finanzämter 2040 Euro, bei sozialversicherungspflichtig Angestellten und Selbstständigen 16.000 Euro und bei Handwerkerleistungen 4800 Euro. Die Ausgaben müssen Steuerzahler entsprechend glaubhaft machen. Schummeln rentiert sich ohnehin nicht. Denn wer sich einen Freibetrag eintragen lässt, ist verpflichtet eine Steuererklärung bei seinem zuständigen Finanzamt einzureichen. Wer dann zu hohe Ausgaben angegeben hat, muss dem Fiskus eine entsprechend hohe Summe überweisen.

600-Euro-GrenzeAnders verhält es sich, wenn Steuerzahler den Weg zur Arbeit oder die Ausgaben für die Betreuung der Kinder als Freibetrag eintragen lassen wollen. In diesen Fällen sieht das Finanzamt eine Hürde von 600 Euro vor. Danach müssen die Aufwendungen bei Werbungskosten und Sonderausgaben nach Abzug der Pauschbeträge (Werbungskosten 1000 Euro; Sonderausgaben 36 bzw. 72 Euro) mehr als 600 Euro betragen. Außergewöhnliche Belastungen wie Krankheits- und Pflegekosten müssen die zumutbare Belastung übersteigen (Teil 2). Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, tragen die Finanzämter einen Freibetrag ein. Ein Beispiel: Herr Schulz fährt jeden Tag 48 Kilometer zur Arbeit. Er kann demnach 3312 Euro Werbungskosten steuerlich geltend machen (230 Tage mal 48 Kilometer mal 30 Cent). Da die voraussichtlichen Ausgaben den Werbungskostenpauschbetrag von 1000 Euro + 600 Euro überschreiten, trägt das Finanzamt Herrn Schulz einen Freibetrag ein.

Die Finanzämter haben außerdem auch etwas Bürokratie abgebaut. Freibeträge können Steuerzahler nun immer gleich für zwei Jahre beantragen. Das Formular für den Antrag finden Steuerzahler im Internet unter www.formulare-bfinv.de.

Steuerklassen Singles haben Steuerklasse I, Alleinerziehende wählen Steuerklasse II. Lediglich für Ehepaare sieht die Situation komplexer aus. Sie haben die Qual der Wahl. Sie können – sofern beide berufstätig sind – verschiedene Steuerklassenkombinationen wählen. Da wären zunächst einmal die bekannten Kombinationen IV/IV und III/V. Die erste Kombination rechnet sich in der Regel, wenn beide Ehepartner ungefähr gleich viel verdienen. Die mit Abstand am weitesten verbreitete Kombination ist III/V. Diese ist vorteilhaft, wenn einer der Ehepartner deutlich mehr verdient als der andere. "Die Kombination hat jedoch den entscheidenden Nachteil, dass gelegentlich Steuernachzahlungen drohen", sagt Steuerberater Wolfgang Wawro . Wer dieses Risiko minimieren möchte, hat seit 2010 auch die Möglichkeit, die Kombination IV + Faktor zu wählen. In diesem Fall werden die tatsächlich fälligen Steuern abgezogen. In der Regel können Steuerzahler ihre Steuerklasse einmal im Jahr wechseln – allerdings nur bis zum 30. November.

Bei der Steuerklassenwahl geht es um viel Geld – vor allem, wenn einer der Ehepartner bereits Lohnersatzleistungen erhält oder erhalten wird. Denn deren Höhe richtet sich nach der Höhe des Nettoeinkommens. Dieses fällt in Steuerklasse III besonders üppig aus, in Klasse V entsprechend gering. "Daher kann es sich rechnen, wenn der Geringverdiener etwa vor der Geburt eines Kindes Steuerklasse III wählt", sagt Steuerberater Wawro. Entsprechend hoch fallen dann die Lohnersatzleistungen aus. Doch allzu viel Zeit können sich die Steuerzahler mit dem Steuerklassenwechsel nicht lassen. Beispiel Elterngeld: In diesem Fall muss spätestens sieben Monate vor Beginn des Mutterschutzes die neue Klasse gewählt sein.

Veranlagung Ehepaare können wählen, ob sie sich einzeln oder zusammen veranlagen wollen. Lassen sich Ehepaare zusammen veranlagen, können sie – sofern sie unterschiedlich viel verdienen – in der Regel Steuern sparen. Rechnen sollten Paare etwa, wenn sie Zahlungen erhalten haben, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen wie etwa Kurzarbeitergeld, Arbeitslosengeld I oder Eltern­geld. Diese werden zwar nicht versteuert, allerdings werden diese fiktiv dem zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet. "Dadurch steigt bei zusammen veranlagten Ehepaaren der Steuersatz für das restliche Einkommen", sagt BVL-Geschäftsführer Rauhöft. Daher kann in diesen Fällen eine Einzel-Veranlagung günstiger sein.

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