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Warum Aldi einen Weinladen an der Düsseldorfer Kö eröffnet

Der Discounter Aldi zählt zu den größten deutschen Weinhändlern und will diese Marktposition weiter ausbauen. Lidl ist gescheitert.

Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf.  Der Discounter Aldi startet in Düsseldorf in diesen Tagen ein besonderes Projekt. Erstmals eröffnet der Mülheimer Discounter einen gläsernen Weinladen in der Flaniermeile Königsallee – kurz Kö genannt. Zur Messe "Pro Wein" in der Landeshauptstadt will Aldi mit dem temporären Shop unterstreichen, dass die Kette einer der größten Weinhändler in Deutschland ist.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat den Markt vor Kurzem durchleuchtet und kam zu dem Ergebnis: Wein ist zum Umsatztreiber und Kundenmagneten für die Discounter in Deutschland geworden. Aldi, Lidl, Penny und Co. werben nicht mehr nur zu Weihnachten und Silvester mit teurem Barolo und Rothschild. Nach GfK-Berechnungen stammt inzwischen jede zweite Flasche Wein (48 Prozent) aus den Regalen eines Discounters.

Führende Position inne

"Jede vierte Flasche Wein wird bei Aldi gekauft", sagt Ingo Panknin, im Zentraleinkauf bei Aldi Süd verantwortlich für den Wein-, Kaffee und Lebensmitteleinkauf. Ob Aldi damit der größte deutsche Weinhändler ist, will er nicht verraten. Nur so viel: "Wir haben eine führende Position inne. Darauf sind wir stolz." In seinen rund 1870 Filialen in Deutschland verkauft Aldi Süd pro Jahr 170 Millionen Flaschen Wein. Das sind statistisch mehr als zwei Flaschen pro Bundesbürger.

100 verschiedene Weine hat Aldi Süd ganzjährig im Sortiment. 200 weitere werden zu Festtagen wie Ostern und Weihnachten angeboten. Das Standardspektrum beginnt beim mazedonischen Rosé für 1,59 Euro pro Liter und endet beim Barolo für 13,32 Euro. "Weine bis zu 30 Euro haben wir bislang problemlos verkauft", sagt Panknin. Er will nicht ausschließen, dass Aldi Süd teure Tropfen auf Dauer ins Sortiment nimmt. Änderungen im Angebot, so der Manager, mache das Unternehmen von Verkaufstests in ausgewählten Regionen abhängig.

Anführer der Hitliste

Der Konkurrent Lidl war indes vor einigen Jahren mit seiner Hochpreis-Politik gescheitert. Die wertvollen Weine in ihren schicken Holzkisten sollen in den Regalen vieler Filialen verstaubt sein, heißt es. Gerüchteweise sollen die millionenschweren Hinterlassenschaften der Edel-Aktion noch heute im Lidl-Keller stehen.

Auf namhafte Winzer setzt auch Aldi Süd: Zu den Lieferanten gehören nicht nur Rothschild, sondern auch bekannte Weingüter wie Fritz Keller und Frescobaldi. So etwas wie einen Kultstatus hat inzwischen der Champagner Monsigny für einen Literpreis von 17,32 Euro. Mit sieben Millionen verkaufter Flaschen pro Jahr sind nach Angaben von Panknin allerdings ein Müller-Thurgau aus Rheinhessen und der Pfalz Anführer der Hitliste.

Billigimage abstreifen

Welchen Anteil Weine am Gesamtumsatz von Aldi Süd haben, will der Manager nicht preisgeben. Er verweist jedoch auf das neue Filialkonzept, das derzeit umgesetzt wird: Darin wird Wein ein deutlich größerer Raum in edler Holzoptik geboten als bisher.

Bei der Gesellschaft für Konsumforschung ist man davon überzeugt, dass die Discounter mit der Fokussierung auf das Thema Wein auch auf längere Sicht ihr Billigimage abstreifen wollen. "Die Discounter wollen mit ihrem Weinangebot qualitätsbewusste und anspruchsvolle Kunden ansprechen, die sonst vielleicht nicht den Weg in ihren Laden finden", sagt GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. In Geschmackstest schnitten die Aldi-Weine unter anderem im Gourmet-Magazin "Falstaff" gut ab.

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