Berlin

Spielzeug aus dem 3D-Drucker

Immer mehr Privatleute nutzen die neue Technik für den Haushaltsgebrauch und zur Herstellung von Ersatzteilen

Berlin. Kleine Ersatzteile, Schmuck oder Lampenschirme kann mittlerweile jeder zu Hause anfertigen. 3D-Drucker machen es möglich. In der Industrie werden diese Maschinen längst wie selbstverständlich eingesetzt. Boeing produziert damit Flugzeugteile, Zahntechniker liefern gedruckten Zahnersatz und Architekten erstellen Modelle mit der noch jungen Technologie. "Auch Häuser, die ohne Bauschutt und Bagger gebaut werden, gibt es schon", sagt der Vizechef des IT-Branchenverbands Bitkom, Andreas Berg. Der Verband hat nun untersuchen lassen, inwieweit die 3D-Drucker auch für Privatleute infrage kommen.

Weltweiter Umsatz soll sich bis 2020 vervierfachen

"Der Gebrauch im heimischen Wohnzimmer ist im Kommen", glaubt Berg. Einer repräsentativen Umfrage zufolge kennen neun von zehn Bundesbürgern das technische Verfahren. Jeder Fünfte hat schon mal selbst einen 3D-Drucker benutzt oder einen Druck in Auftrag gegeben. 53 Prozent würden sich gern eine Statuette von sich selbst anfertigen lassen. Ein Selfie in 3D steht damit laut Umfrage auf der Wunschliste der Verbraucher ganz oben. Weitere 45 Prozent der Befragten würden mit einem Drucker selbst entworfenen Schmuck oder Spielzeug für die Kinder anfertigen. Die heimische Herstellung von Ersatzteilen empfindet jeder Dritte als attraktive Anwendungsmöglichkeit. Nur im Umgang mit Lebensmitteln stehen die Bürger dem 3D-Druckverfahren skeptisch gegenüber.

3D-Drucker haben noch keinen Massenmarkt erobert. Exakte Zahlen über die Verkäufe an Privatleute gibt es nicht. Das britische Unternehmen Context hat für die ersten neun Monate 2016 einen weltweiten Gesamtabsatz von 217.000 Geräten errechnet. Damit wuchs die Verkaufszahl zwar deutlich um 27 Prozent an. Doch im Vergleich zu den millionenfach verkauften Smartphones oder PC ist der Absatz gering. Zusammen mit dem Zubehör und Material schätzt die Firma den weltweiten Umsatz auf rund fünf Milliarden Dollar. Bis Ende des Jahrzehnts rechnen die Experten mit der vierfachen Summe.

In den Fachgeschäften Mediamarkt und Saturn ist die Nachfrage der Kunden noch überschaubar. Sie bleibe stabil, jedoch auf einem geringen Niveau, sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Gefragt seien vor allem Geräte im unteren und mittleren Preissegment. Der zögerliche Einzug in die Privathaushalte hat Bitkom zufolge zwei Gründe. So wünschen sich die potenziellen Kunden mehr Materialien als den bisher vorwiegend verwendeten Kunststoff. Metalle oder Keramik stehen bei den Verbrauchern hoch im Kurs. Außerdem sind die Geräte noch zu teuer. "Jeder Dritte würde dafür nicht mehr als 500 Euro bezahlen", erläutert Berg. Nur zwei Prozent der Befragten wären bereit, mehr als 1000 Euro für einen 3D-Drucker hinzublättern. Das ist die Preisklasse, in der sich viele Angebote bewegen.

Eine Chance, die Technologie weiter zu verbreiten, könnten Berg zufolge Copyshops sein. Auf lange Sicht, so ist sich der Bitkom-Vize sicher, werde sich die Technologie auch in den privaten Haushalten durchsetzen. "Wenn die Anschaffungskosten und die Zugangsschwellen sinken, wird 3D-Druck ein selbstverständlicher Bestandteil unseres Alltags sein", glaubt Berg.

Allerdings sehen die Bürger auch ein großes Problem für die Wirtschaft. Wenn dreidimensionale Stücke so problemlos daheim hergestellt werden können, ist die Gefahr von Verstößen gegen das Markenrecht hoch. 80 Prozent der Befragten befürchten eine wachsende Produktpiraterie durch 3D-Drucker. Einen wirksamen Schutz vor dem digitalen Diebstahl von Markenschutzrechten gibt es noch nicht.

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