Berlin

Deutsche reisen öfter, länger und teurer

Berlin.  Ob ein Urlaub an der deutschen Küste, am Mittelmeer, in den Alpen oder im fernen Asien: Die Deutschen lassen sich ihre Reiselust nicht nehmen. Trotz weltweit zunehmender Krisen und Terrorgefahren planen viele Bürger in diesem Jahr eine Urlaubsreise. Dabei hat fast die Hälfte (44 Prozent) bereits feste Reisepläne gefasst, 38 Prozent sind noch unentschieden. Jeder Achte will sogar mehrmals verreisen. Dies ist das Ergebnis der Deutschen Tourismusanalyse der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, für die 4000 Bürger befragt wurden. "Vieles deutet darauf hin, dass die Bundesbürger 2017 noch häufiger unterwegs sein werden als im Vorjahr", sagt Ulrich Reinhardt, der Leiter der Stiftung, dieser Zeitung. Denn nur 18 Prozent der Befragten geben an, in diesem Jahr nicht zu verreisen – und damit drei Prozent weniger als im Vorjahr.

Durch die Krisen verschieben sich die Reiseströme

Die zunehmende Reisefreude begründet Reinhardt mit der guten wirtschaftlichen Lage. Die niedrige Arbeitslosigkeit, die steigenden Reallöhne und die niedrigen Zinsen sorgten dafür, dass viele Bürger mehr Geld fürs Vergnügen übrig hätten. Sie hängt aber auch mit einem verbreiteten Grundgefühl zusammen: "Die Bundesbürger schränken sich eher im Alltag ein, als dass sie die besten Wochen des Jahres daheim verbringen", resümiert der Zukunftsforscher. "Urlaub gilt als populärste Form des Glücks."

Allerdings dürften die politischen Krisenherde auch in diesem Jahr manche Urlauber zu neuen Zielen aufbrechen lassen. "Deutsche reagieren krisenbewusst. Sie ändern eher ihre Destination, als dass sie auf Urlaub verzichten", sagt Reinhardt. So gingen beispielsweise die Buchungen in die Türkei im vergangenen Jahr infolge der Anschläge und des Putsches massiv um 40 Prozent zurück. Zu den großen Gewinnern zählten dagegen Österreich und Spanien – insbesondere Mallorca und die Kanarischen Inseln. "Durch die Krisen verschieben sich Reiseströme."

Das beliebteste Reiseland der Bundesbürger steht unterdessen für 2017 bereits fest: Es ist Deutschland – wie in den Vorjahren. 23 Prozent jener Befragten, die sich schon für eine Urlaubsdestination entschieden haben, werden ihren Urlaub in der Heimat verbringen. Ein Drittel will innerhalb Europas verreisen. Dort ist das beliebteste Ziel Spanien (acht Prozent), gefolgt von Italien (vier Prozent) und Österreich (drei Prozent). Eine Reise in die Türkei, Frankreich, Griechenland und Kroatien planen je zwei Prozent. Jeder dritte Befragte hat sich noch nicht für ein Ziel entschieden.

Fernreisen außerhalb Europas planen neun Prozent. Dabei waren die USA mit zuletzt 1,6 Prozent aller Reisen das beliebteste Fernreiseziel der Deutschen – und liegen damit deutlich vor Ländern in Asien und Afrika. "Spannend wird es, wie sich die Reisen in die USA entwickeln, wenn die Einreisebedingungen weiter verschärft würden", sagt Reinhardt. "Dies könnte den USA nochmal wehtun."

Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Reisen nach dem Krisenjahr 2015 wieder spürbar zugelegt. Die Mehrheit der Bürger verreist öfter, bleibt länger und zahlt mehr für ihren Urlaub, sagt Reinhardt. So machten 57 Prozent der Befragten einen Urlaub von mindestens fünf Tagen, im Vorjahr waren es nur 54 Prozent. Im Schnitt war jeder Reisende 12,9 Tage unterwegs, nach 12,1 im Jahr 2014. Am stärksten war die Reisefreude unter den 35- bis 54-Jährigen ausgeprägt, von denen zwei Drittel in den Urlaub fuhren. Von den über 55-Jährigen verreiste jeder Zweite, bei den unter 34-Jährigen waren es 57 Prozent.

Ob man sich mehrere Reisen gönnen kann, hängt auch vom Einkommen ab. So war jeder Vierte 2016 zwei Mal je fünf Tage unterwegs und jeder Zehnte häufiger. Unter den Besserverdienern mit einem Haushaltseinkommen über 3500 Euro konnten sich unterdessen 45 Prozent mehrfach Urlaub erlauben. Dagegen waren nur jede vierte Familie und jeder vierte Single mehr als einmal unterwegs.

Insgesamt gaben die Bürger 2016 mit durchschnittlich 1166 Euro mehr Geld für ihren Urlaub aus als je zuvor: Am günstigsten ist im Schnitt ein Urlaub in Deutschland mit 831 Euro pro Kopf, in Europa werden im Schnitt 1171 Euro je Person fällig, eine Fernreise kostet sogar 2144 Euro.

34,2 Prozent der Befragten machten 2016 Urlaub in Deutschland. Am beliebtesten waren Bayern und Mecklenburg-Vorpommern (je 6,9 Prozent), gefolgt von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Zwei Drittel der Deutschen fahren dorthin mit dem Auto. Bei aller Tradition haben sich allerdings die Reisemotive über die Jahre bei vielen erweitert, berichtet Reinhardt: "Früher verreiste man, um sich von der Arbeit zu erholen. Heute ist auch die Erlebnissuche wichtig geworden und die Flucht aus dem Alltag."

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