Datenweitergabe

Verbraucherschützer verklagen WhatsApp in Deutschland

WhatsApp soll ohne Zustimmung der Nutzer Daten an den Konzern Facebook weitergeben. Verbraucherschützer verklagen den Messengerdienst.

Die Nutzerdaten von WhatsApp sind für Facebook lukrativ.

Die Nutzerdaten von WhatsApp sind für Facebook lukrativ.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Berlin.  Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat vor dem Landgericht Berlin Klage gegen den Messengerdienst WhatsApp eingereicht. Grund ist die angekündigte Weitergabe der Telefonnummern von Nutzern an den Mutterkonzern Facebook. Auf Basis der Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen sammele und speichere das Unternehmen von Verbrauchern teils widerrechtlich Daten und gebe diese an Facebook weiter, begründet der vzbv den Schritt. WhatsApp erklärte, man halte sich an geltendes Recht.

Vor etwa fünf Monaten hat der Messengerdienst seine Nutzungsbedingungen umfassend geändert. Damals teilte der Dienst noch mit, es werde keinen Datenaustausch zwischen den Netzwerken geben. Verbraucherschützer sehen das offenbar anders: Bereits im September hat der vzbv WhatsApp abgemahnt. Laut Carola Elbrecht von den digitalen Marktwächtern der Verbraucherzentralen konnte aber keine Einigung mit dem US-Unternehmen erzielt werden. Die geforderte Unterlassungserklärung blieb aus.

Verarbeitung der Daten untersagt

Konkret fordern die Verbraucherschützer nun, WhatsApp solle darauf verzichten, die Daten der Nutzer und auch der Nicht-Nutzer an andere Unternehmen weiterzugeben. Denn was für die tatsächlichen Nutzer gilt, betrifft wohl auch Verbraucher, die selbst WhatsApp nicht nutzen, aber im Telefonbuch von Freunden aufgeführt sind, die den Dienst verwenden. Auch deren Daten werden laut Verbraucherschützern weitergereicht. Zudem soll der Messengerdienst dafür sorgen, dass bereits übermittelte Daten gelöscht werden.

„Whats­App liegt keine rechtswirksame Einwilligung vor, die die Datenweitergabe erlaubt“, sagt Elbrecht. Facebook hat wegen der geänderten Bestimmungen schon die Hamburger Datenschutzbehörde gegen sich aufgebracht. Der Chef der Behörde, Johannes Caspar, hat vor einigen Monaten eine Anordnung erlassen, die Facebook die Erhebung und Verarbeitung der Daten von WhatsApp-Nutzern untersagt. Der US-Konzern wehrt sich dagegen vor Gericht. Wie es in dem Fall weitergeht, hängt vom Ausgang des Beschwerdeverfahrens ab.

Telefonnummern werden nicht an Werbekunden verkauft

„Eine Entscheidung des Gerichts hierzu wird in Kürze erwartet“, heißt es von der Datenschutzbehörde. Derzeit hat Facebook die Weitergabe und Nutzung von Daten europäischer WhatsApp-Nutzer ausgesetzt. Die Behörden und Verbraucherschützer sollen nun ihre Bedenken formulieren, Facebook will die Vorbehalte prüfen.

WhatsApp weist die Kritik der Verbraucherschützer ab: Die Nutzungsbestimmungen stimmten mit den Vorgaben der EU-Regulierungsbehörden überein. Der Dienst versicherte auf seinem Firmenblog, dass die Nachrichten der Nutzer sicher seien und von keinem anderen gelesen werden können. Man werde die WhatsApp-Nummer weder veröffentlichen noch teilen, auch nicht auf Facebook. Zudem werde man die Telefonnummern nicht an Werbekunden verkaufen oder weitergeben.

Eine Milliarde WhatsApp-Nutzer

Laut WhatsApp nutzen rund eine Milliarde Menschen weltweit den Messengerdienst, Facebook gilt als das weltgrößte Online-Netzwerk. Mit dem Datenaustausch wollen beide Unternehmen mehr darüber erfahren, wie ihre Kundschaft die Dienste nutzt. Werbung und die Freunde-Vorschläge in Facebook-Diensten sollten so verbessert werden, hieß es ursprünglich.

Bis eine mündliche Verhandlung am Berliner Landgericht stattfindet, werden vermutlich noch Monate vergehen.