Berlin

Aus für 188 Deutsche-Bank-Filialen

Privatkundenvorstand Christian Sewing über das laufende Sparprogramm, Kontoführungsgebühren und kostenloses Geldabheben

Berlin. Jetzt hat die größte deutsche Bank auch noch die Boni der Topmanager gestrichen. Nicht nur die Angestellten und Investoren müssen zur Sanierung des größten deutschen Kredithauses beitragen, sondern auch die obere Ebene. Und in diesem Jahr wird auch der Privatkunde der Bank deutlich merken, dass umgebaut wird: Fast 200 Filialen werden geschlossen. Doch es gibt auch einige gute Nachrichten für die Kunden.

„2016 war ein Jahr des Übergangs“, sagt Christian Sewing, im Vorstand zuständig für Privat- und Firmenkunden sowie die sehr vermögende Kundschaft. In den vergangenen gut eineinhalb Jahren hat sich die Bank von Altlasten getrennt, Rechtsstreitigkeiten beigelegt und sich darangemacht, die Profitabilität zu erhöhen. 2017 werde sich der Umbau in den Zahlen niederschlagen, 2018 werde der Erfolg dann richtig sichtbar werden.

Sichtbar wird der Umbau in diesem Jahr erst einmal in den Städten. Die Bank schließt 188 von 723 Filialen. „Es gibt zwei Wellen, Ende des ersten und Ende des zweiten Quartals“, sagt Sewing. „Dann sind wir weitgehend durch.“ Eine Art Filiale light mit sehr reduziertem Angebot, wie sie die Commerzbank plant, ist nicht vorgesehen. „Aus einer Umfrage vom Sommer wissen wir: 43 Prozent der Kunden kommen nur noch einmal im Jahr in die Filiale.“ Dann wollten sie aber das volle Angebot: von der komplexen Baufinanzierung über Erbfolge bis zur Anlage für die Kinder. Deshalb soll es in den verbleibenden Filialen das gesamte Angebot für Privat- und Firmenkunden geben. „Wir haben dann in jeder Filiale auch das komplette Private-Banking-Angebot, das war bisher nicht so.“

Wahrscheinlich werden wegen des Umbaus Kunden der Bank den Rücken kehren. Sewing sieht das anders und bleibt eher gelassen. „Wir haben in den vergangenen fünf bis zehn Jahren bereits einige Erfahrungen damit gesammelt, wir hatten schließlich mal mehr als 1000 Filialen.“ Kommunikation sei wichtig, deshalb habe man auch bereits im Juli 2016 alle betroffenen Filialen ins Netz gestellt. Bisher sei die Verlustquote sehr, sehr gering. „Ziel muss sein, im Geschäft mit den anspruchsvollen Privatkunden null Prozent zu verlieren, sogar eher dazuzugewinnen.“

Während Filialen verschwinden, eröffnet die Deutsche Bank acht Beratungszentren in ganz Deutschland. Dort werden insgesamt mehr als 360 Bankberater alle Fragen der Kunden beantworten und sie beraten – per Telefon, Chat und Video. „Und zu deutlich erweiterten Öffnungszeiten im Vergleich zu den Filialen, auch samstags“, sagt Sewing. Standorte sind unter anderem in Berlin, Essen, Hamburg, Leipzig und Wuppertal vorgesehen. Getestet hat die Bank das Konzept in Berlin.

Auch ein anderes Thema, das viele Kunden ärgert, wird sich wohl bald ändern: In manchen Regionen Deutschlands gibt es keine Geldautomaten, an denen Kunden der Deutschen Bank rund um die Uhr kostenlos Geld abheben können. Auf der beliebten Urlaubsinsel Usedom etwa oder in bestimmten Gebieten an der Nordsee.

Mehr Geldautomaten wird die Bank nicht aufstellen. „Zu aufwendig“, sagt Sewing. Bleibt eigentlich nur das Modell, das Direktbanken wie ING Diba und DKB nutzen: kostenloses Abheben mit der Kreditkarte an allen europäischen Geldautomaten. „Wir machen uns intensiv Gedanken darüber, wie wir unseren Kunden hier bis zu einem gewissen Grad entgegenkommen können“, sagt Sewing. „Wir wollen Ende Januar entscheiden.“ Strafzinsen für Privatkunden schließt er ebenso aus wie höhere Gebühren für die Kontoführung. Die Bank gehört allerdings schon zu den teureren in Deutschland.

Mehr Service verspricht sich Sewing auch von der Digitalisierung. Lange hat die Deutsche Bank eher beobachtet, was Konkurrenz und Fintech genannte Neugründungen so machen, als selbst etwas umgesetzt. Inzwischen hat der Konzern umgedacht. 2015 investierte das Haus knapp 100 Millionen Euro in neue IT, 2016 waren es Sewing zufolge 160 Millionen Euro. „Bis 2020 investieren wir allein in meinem Unternehmensbereich 750 Millionen Euro.“

Das Geld fließt nicht nur in smarte Produkte und eine schicke Oberfläche, wie Sewing sagt, sondern soll auch die Abläufe verbessern. „Bisher gibt es Mitarbeiter, die die Daten etwa für eine Baufinanzierung von einem System auf das andere übertragen.“ Die Daten sollen künftig nur einmal erfasst werden. Das spart Geld, weil weniger Personal benötigt wird. Noch gibt die Bank mehr als 80 Cent aus, um einen Euro zu verdienen. 2020 sollen es 65 Cent sein. „Dann sind wir mindestens so effizient wie viele Konkurrenten in Europa.“