EZB

Was das Rekord-Zinstief für Sparer und Anleger bedeutet

Trotz anziehender Inflation im Euroraum hält die Europäische Zentralbank an ihrem Kurs fest. Dabei steigen auch in den USA die Zinsen.

Das EZB-Gebäude im Frankfurter Ost­end.

Das EZB-Gebäude im Frankfurter Ost­end.

Foto: dpa Picture-Alliance / Daniel Kalker / picture alliance / Daniel Kalker

FRANKFURT/Main.  Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrer lockeren Geldpolitik fest und lässt den Leitzins bei null Prozent. Banken, die über Nacht Geld bei der Zentralbank parken, müssen außerdem weiterhin einen Strafzins von 0,4 Prozent bezahlen. Das entschieden die Zentralbanker unter Führung von Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt.

Auch am milliardenschweren Anleihenkaufprogramm will die EZB festhalten. Erst im Dezember hatte sie das Programm bis mindestens Ende dieses Jahres verlängert. Das Volumen steigt damit insgesamt auf 2,28 Billionen Euro. Die niedrigen Zinsen sollen im Idealfall die Konjunktur und die Teuerung ankurbeln, da es etwa für Banken attraktiv ist, Kredite zu vergeben.

Experte: Draghi spielt auf Zeit

Draghi verteidigte am Donnerstag seine Geldpolitik. Die Inflation im Euroraum habe zwar angezogen. Im Dezember war sie ungewöhnlich kräftig auf 1,1 Prozent gestiegen – so stark wie seit drei Jahren nicht mehr, nachdem sie im November noch bei 0,6 Prozent gelegen hatte. Dennoch sieht Draghi keine Anzeichen für einen „überzeugenden“ Trend hin zu einer stark steigenden Inflation. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent an.

„Verbale Gymnastikübungen“ seien das, sagt Christoph Kutt, Anleiheexperte der DZ-Bank. Draghi werde wohl weiter auf Zeit spielen und hinsichtlich der EZB-Strategie in ein Mantra verfallen – also immer wieder auf die niedrige Inflationsdynamik und Abwärtsrisiken hinweisen.

US-Notenbank setzt EZB unter Druck

Dabei könnten die Entwicklungen in den USA Draghi bald in Zugzwang bringen. Erst am Mittwochabend hatte die Präsidentin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, einen aggressiveren Kurs angekündigt.

Bis 2019 werde es mehrere Zinserhöhungen geben – nach der vergangenen Erhöhung im Dezember. Ein zögerlicher Kurs könne sich bitter rächen. Denn die Fed sei ihren Zielen, nämlich Vollbeschäftigung und stabilen Preisen, nahe. Wenn sie jetzt nicht handle, müsse sie das später tun – und dann könnte die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession abrutschen. Claudia Windt, EZB-Expertin der Helaba, hat jedoch Zweifel an den Äußerungen.

Sparer verlieren, Kreditnehmer können sich freuen

Schließlich habe Yellen auch im vorigen Jahr Zinserhöhungen immer wieder verschoben. Der starke Dollar, den auch der neue US-Präsident Donald Trump schon moniert hat, könne auch wegen der Ölpreisentwicklung nur eine vorübergehende Erscheinung sein. Die EZB wiederum hat gegen einen starken Dollar wenig einzuwenden. Schließlich hat der Wechselkurs auch Einfluss auf die Preisstabilität und das Wachstum der Volkswirtschaft. Bei einem starken Dollar werden die Einfuhren in die USA billiger, was dem Export hilft.

Es scheint also, als würden sich die Geldpolitik der EZB und jene der Fed in den kommenden Monaten auseinanderentwickeln. Die leicht anziehende Inflation aber bedeutet, dass Sparer in Europa real Geld verlieren, wenn die Inflationsrate die Zinsen „auffrisst“. Kreditnehmer hingegen können sich freuen. Die Konditionen für Immobilienkredite dürften bei etwa 1,4 Prozent für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung verharren, sagt der Vorstand der Immobilienfinanzierung, Interhyp, Michiel Goris.