Wolfsburg

VW trotz Dieselgate auf dem Weg zum größten Autobauer

Volkswagen profitiert von starken Verkaufszahlen in China

Wolfsburg. und Katharina Lohse

VW könnte in diesem Jahr erstmals seinen Konkurrenten Toyota aus Japan überholen und der weltweit größte Autohersteller werden. Das ergeben Berechnungen der „Braunschweiger Zeitung“, die von Experten gestützt werden. Der VW-Konzern hat in den ersten elf Monaten des Jahres weltweit knapp 9,38 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, 3,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht im Schnitt mehr als 852.000 Verkäufen im Monat. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet käme der Konzern auf 10,2 Millionen Verkäufe. Bisher knackte VW erst einmal die Zehn-Millionen-Marke: 2014 lieferte der Konzern 10,1 Millionen Fahrzeuge aus.

Toyota hat in den ersten neun Monaten 7,53 Millionen Fahrzeuge verkauft – monatlich knapp 837.000. Hochgerechnet würden die Japaner in diesem Jahr 10,04 Millionen Fahrzeuge ausliefern.

VW wollte sich gestern nicht zu seiner möglichen neuen Rolle als weltweit größter Autobauer äußern. Stattdessen verwies das Unternehmen auf Januar. Dann werden die Verkaufszahlen für den Dezember und das Gesamtjahr 2016 veröffentlicht. Allerdings war aus Wolfsburg zu vernehmen, dass auch der Dezember gut laufe.

Auch Frank Schwope, Auto-Analyst der Norddeutschen Landesbank, geht fest davon aus, dass VW Toyota als weltgrößten Autobauer ablösen wird. Nach seiner Einschätzung verkauft VW 10,2 Millionen Fahrzeuge, Toyota 10,1 Millionen. Ihr Wachstum verdanke VW vor allem China. Die Kernmarke VW setzt laut Schwope 2016 voraussichtlich die Hälfte ihrer Autos dort ab, der Konzern 38 bis 39 Prozent. „Ohne China hätte Volkswagen in diesem Jahr 90.000 Fahrzeuge weniger verkauft als im Vorjahr.“

Der Imageverlust durch den Diesel-Skandal spiele in China keine Rolle, sagt Schwope. Der Markt sei auf Benziner fokussiert. Problematisch sei, dass Ende des Jahres Steuererleichterungen für Fahrzeuge mit kleinen Motoren in China auslaufen. Schwope: „Ich kann mir aber vorstellen, dass sie kurzfristig verlängert werden.“ Bislang gibt es dafür keine Signale, daher erwartet VW für den Dezember eine Sonderkonjunktur im Reich der Mitte. Interessenten würden den Autokauf vorziehen, um noch von der Förderung zu profitieren.

Im neuen Jahr sei das Rennen zwischen VW und Toyota allerdings wieder offen, sagt Schwope. „Ich glaube nicht, dass VW 2017 wieder so stark zulegt wie 2016.“