Berlin

China kauft so viele deutsche Firmen wie nie zuvor

Asiaten investieren in Online-Kartendienst Here

Berlin. Beim Navigations- und Kartendienst Here haben künftig auch Chinesen das Sagen. Die Autobauer Audi, BMW und Daimler, die den Dienst gemeinsam betreiben, haben einen Anteil von insgesamt zehn Prozent an den chinesischen Kartenanbieter Navinfo, den ebenfalls aus China stammenden Internetkonzern Tencent und den Staatsfonds GIC aus Singapur verkauft.

Die drei Konzerne hatten Here im vergangenen Jahr für rund 2,6 Milliarden Euro dem Telekom-Ausrüster Nokia abgekauft, um präzise Karten für künftige selbstfahrende Fahrzeuge zu entwickeln. Die chinesischen Investoren könnten nun die Geschäfte auf den wichtigen asiatischen Märkten erleichtern.

Das Engagement ist beispielhaft für das Jahr 2016, in dem Firmenübernahmen durch Chinesen in Deutschland einen Rekordstand erreichten. Von Januar bis Ende Oktober haben Investoren aus China und Hongkong insgesamt 58 deutsche Firmen übernommen – 19 mehr als im Jahr 2015, das ermittelte die Unternehmensberatung EY. Rund 11,6 Milliarden Euro haben die Chinesen in diesem Jahr dafür ausgegeben. Das ist 20-mal so viel wie 2015. Allein die Übernahmen des Augsburger Industrieroboterherstellers Kuka (4,6 Milliarden Euro), des Münchner Maschinenbauers KraussMaffei (1,0) und von EEW (1,6), einem Hersteller von Müllverbrennungsanlagen in Göppingen, summierten sich auf sieben Milliarden Euro.

Europäische Union prüft Übernahmeregeln

Trotzdem sei die hohe Anzahl der Übernahmen in diesem Jahr an sich kein Grund zur Sorge, sagt der Geschäftsführer des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Hubertus Bardt, dieser Zeitung. Jedoch müsse man genau hinsehen, ob es sich um eine politisch getriebene, sicherheitsrelevante Übernahme handele. „Bei chinesischen Investoren liegt der Verdacht nahe, denn viele Unternehmen sind in Staatshand, und China versucht technologisch einen großen Schritt voranzukommen.“ Es müsse daher Regeln geben, die vor einem Ausverkauf deutscher Unternehmen schützen. Die derzeit geltenden Gesetze sollten einer kritischen Prüfung unterzogen werden, fordert Bardt.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) berät derzeit mit seinen europäischen Kollegen über eine Verschärfung der Regeln für Unternehmensübernahmen. Bislang jedoch ohne Ergebnis. Unterdessen hat Peking längst formuliert, wo das Land hinwill: Bis 2050 will es in sämtlichen Schlüsselbranchen die technologische Weltmarktführung übernehmen. Und die Regierung macht es ausländischen Investoren schwer, chinesische Firmen zu übernehmen. Sie hat 38 Geschäftsfelder benannt, in denen ausländische Firmenübernahmen grundsätzlich verboten sind. Am Dienstag bekräftigte das chinesische Handelsministerium, man werde ausländische Investitionen stärker unter die Lupe nehmen. Neue Vorschriften würden erarbeitet.