Berlin

Verband erwartet steigende Mieten im nächsten Jahr

Auch Wohnimmobilien werden voraussichtlich teurer

Berlin. Für Miete oder die eigene Immobilie müssen viele Menschen im kommenden Jahr erneut mehr zahlen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Preisspirale weiterdreht“, sagte der Direktor des Deutschen Mieterbunds, Lukas Siebenkotten. Das gelte vor allem für Großstädte, Ballungsgebiete und Universitätsstädte. Auch erwarten die Experten, dass die Preise bei Wohnimmobilien wie seit 2010 jedes Jahr steigen werden, sogar auf dem Land.

„Es gibt Anzeichen dafür, dass es auch in ländlichen Bereichen zuletzt leichte Preissteigerungen gegeben hat“, sagte Peter Ache, Geschäftsstellenleiter des Arbeitskreises der Oberen Gutachterausschüsse. Die amtlichen Ausschüsse gewinnen ihre Erkenntnisse aus Kaufverträgen. Insgesamt sei das Investitionsvolumen in diesem Jahr nach vorläufigen Daten gestiegen, sagte Ache.

Auch die Mieten zogen an – in Großstädten nach einem Umzug um sieben bis acht Prozent, wie der Mieterbund registrierte. Die Bestandsmieten verteuerten sich demnach nicht ganz so stark, aber doch spürbar. „Es gibt kein Indiz, dass die Mieten 2017 weniger stark steigen“, sagte Siebenkotten. In ländlichen Gegenden sei der Markt allerdings stabil. Das liegt Siebenkotten zufolge vor allem an geringer Nachfrage: Junge Menschen ziehe es in die Großstädte, im Gegensatz zu früher zögen sie dort seltener wieder weg – unter anderem, weil weniger Familien gegründet würden.

Wohnlage in Ballungsräumen wird sich weiter anspannen

„Die Wohnungssituation in den Ballungsräumen wird sich weiter anspannen“, prognostizieren auch die Wohnungsunternehmen. Obwohl die Zahl der Baugenehmigungen steige, werde derzeit nicht einmal „der Status quo des Wohnraum-Mangels gehalten“, kritisierte Axel Gedaschko, Präsident des Branchenverbands GdW. Inzwischen fehlten in Deutschland 850.000 Wohnungen. Einfach höher und dichter zu bauen, reiche da nicht mehr aus. „Wir brauchen neue Stadtteile und zugleich Verdichtung in den bestehenden“, forderte Gedaschko. Mieter- und Wohnungsverbände plädieren dafür, Grundstücke mit Mietpreisbindung günstiger abzugeben und Wohnprojekten mit dauerhaft niedrigen Mieten staatliche Zuschüsse zu zahlen.

Schwer berechenbar ist nach Einschätzung des Mieterbunds im kommenden Jahr die Nebenkosten-Abrechnung. Wer mit Gas- oder Fernwärme heize, könne mit niedrigeren Kosten rechnen. „Bei Ölheizungen dagegen komme es ganz darauf an, wann der Vermieter getankt hat.“ In der ersten Jahreshälfte sei der Ölpreis noch so niedrig gewesen, dass Mieter deutliche Einsparungen erwarten könnten. Alle, deren Vermieter aber im Herbst und Winter noch getankt hätten, müssten sich dagegen sogar auf höhere Kosten einstellen.