Washington 

VW erzielt im Abgas-Skandal Kompromiss mit US-Klägern

Entschädigung kostet den Konzern rund 16 Milliarden Euro

Washington .  Die US-Umweltbehörde EPA hat verkündet, dass VW für die Umrüstung oder den Rückkauf von rund 85.000 manipulierten Wagen der Drei-Liter-Klasse (Porsche Cayenne, VW Touareg, Audi A7) rund eine Milliarde Dollar aufbringen muss. Zuvor war unter Bundesrichter Charles Breyer vereinbart worden, dass der Wolfsburger Konzern für die Reparatur oder Ausmusterung von rund 500.000 Zwei-Liter-Autos sowie für die Finanzierung von Umweltfonds rund 15 Milliarden Dollar zu bezahlen hat. Die Besitzer der Autos, deren Abgasanlagen von VW manipuliert worden waren, werden mit bis zu 10.000 Dollar entschädigt.

Zum Vergleich: In Europa sind mehr als 8,5 Millionen „frisierte“ VW-Diesel-Fahrzeuge unterwegs. Das Kraftfahrtbundesamt hat gestern die Reparatur-Pläne freigegeben. Bekämen alle Besitzer die gleiche Entschädigung wie in Amerika, müsste VW rund 80 Milliarden Euro zahlen – das wäre der wirtschaftliche Ruin. Darum wehrt sich der Konzern gegen alle Forderungen aus Politik und Verbraucherschutzverbänden nach einer ähnlichen Entschädigung in Europa.

Mit der Einigung über die Drei-Liter-Autos sieht VW in den USA 15 Monaten nach Bekanntwerden des Skandals auf der zivilrechtlichen Seite erstmalig Licht. Sollten bis Fristende Ende Januar 2017 keine substanziellen Einsprüche gegen das unter Richter Breyer ausgehandelte Paket vorgetragen werden, kann der Konzern einen ersten dicken Strich ziehen. Fazit: Die vor Jahren von Ingenieuren eingestielte Manipulation der Abgasreinigung – Stickoxid-Grenzwerte wurden im Prüflabor eingehalten, aber nicht im regulären Betrieb – kostet VW bei rund 600.000 Autos die gewaltige Summe von 16 Milliarden Dollar.

Für US-Chef Woebcken ist der Verhandlungsstand „ein weiterer wichtiger Schritt nach vorne“ bei den Bestrebungen des Unternehmens, „die Dinge für unsere Kunden in Ordnung zu bringen“. US-Analysten machen dagegen geltend, dass für VW der Diesel-Skandal damit noch lange nicht erledigt ist. Denn es gibt in fast allen 50 US-Bundesstaaten wie auch im Justizministerium in Washington strafrechtliche Ermittlungen.

Auch Wettbewerbsbehörden, die eine Irreführung der Verbraucher durch die „Clean-Diesel“-Werbung vom VW unterstellen, sind beteiligt. Nach den Gesetzen könnte VW pro Auto mit Strafen von über 30.000 Dollar belegt werden; in der Summe ein weiterer Milliardenbetrag. In diesem Zusammenhang erhoffen sich die Behörden Aufklärung von James R. Liang, einem VW-Ingenieur, der sich in Kalifornien als Kronzeuge zur Verfügung gestellt hat und von dem internen Bericht der Kanzlei Jones Day. Es geht dabei um den Grad der Mitwisserschaft bei der Vorbereitung des Betruges bis in höchste Konzernebenen.