Washington

Zwei Abweichler bei Trumps Wahl

Clinton bekommt von den Wahlleuten fünf Stimmen weniger, als ihr zustehen

Washington. Donald Trump ist vom Gremium der Wahlleute nun auch offiziell zum nächsten US-Präsidenten gewählt worden. Für den 70-jährigen Immobilienunternehmer votierten am Montag (Ortszeit) insgesamt 304 Wahlleute – deutlich mehr als nötig, aber zwei weniger, als es dem Ergebnis der Wahl vom 8. November entsprochen hätte. Für die Demokratin Hillary Clinton stimmten 227 Wahlleute, das sind fünf weniger als ihrem ursprünglichen Ergebnis gemäß. Die Abweichler stimmten für Ohios Gouverneur John Kasich (1), den Libertären Ron Paul (1), Ex-Außenminister Colin Powell (3) und Faith Spotted Eagle (1), eine US-Umweltaktivistin. Auf Hawaii gab es statt einer Stimme für Clinton eine für Bernie Sanders.

Abweichungen wie diese sind im „Electoral College“, dem US-amerikanischen Gremium der Wahlleute, äußerst selten. Seit vielen Jahrzehnten ist im Schnitt nicht mehr als ein Wahlmann vom ursprünglichen Ergebnis abgewichen. Sechs Abweichler gab es zuletzt im Jahr 1808. Auch das spiegelt noch einmal die große Unzufriedenheit wider, die es in den USA mit beiden Präsidentschaftskandidaten gab.

Das Ergebnis von Trump bei den Wahlleuten ist eines der schlechtesten der vergangenen zehn Wahlen. Eine Entscheidung gegen den New Yorker Milliardär Donald Trump wäre am Montag nur theoretisch möglich gewesen. Dazu hätten mindestens 37 Wahlleute gegen das Wahlergebnis ihres Bundesstaates votieren müssen.

In vielen Staaten wurde die Abstimmung der Wahlleute von Protesten gegen Trump begleitet. Interessengruppen hatten versucht, die Wahlleute davon zu überzeugen, den umstrittenen Unternehmer noch im letzten Moment zu stoppen. Fünf Millionen Menschen unterzeichneten eine entsprechende Online-Petition. Bei der Gesamtzahl aller abgegebenen Wählerstimmen liegt Trump satte 2,8 Millionen hinter Clinton.

Angesichts einer Präsidentschaft Trumps zeigten sich in einer Umfrage des Senders NBC und des „Wall Street Journal“ 54 Prozent der Befragten unsicher oder besorgt. Das sind viel schlechtere Werte als bei Trumps Vorgängern. Bei Barack Obama hatten nur 34 Prozent entsprechende Sorgen geäußert, bei George W. Bush waren es 41 gewesen.

Das Ergebnis der Wahlleute soll am 6. Januar im US-Kongress verkündet werden. Am 20. Januar soll Trump soll in Washington zum 45. Präsidenten der USA vereidigt werden.