Washington/Frankfurt

Abkehr vom Niedrigzins

Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins erstmals seit einem Jahr um 0,25 Prozentpunkte angehoben

Washington/Frankfurt.  Zwölf Monate hat sie mit sich gerungen über den geeigneten Moment für die zweite Leitzins-Erhöhung seit mehr als zehn Jahren. Am Mittwoch war er für die amerikanische Notenbank gekommen. Die Fed in Washington erhöhte den Eckwert wie erwartet um einen Viertelprozentpunkt. Die Spanne liegt damit zwischen 0,5 bis 0,75 Prozent. Weil die Prognosen günstig seien, kündigte Fed-Chefin Janet Yellen für das kommende Jahr gleich drei weitere Zinserhöhungsschritte an.

Im Zuge der Weltfinanzkrise hatte die Fed die Zinsen über sieben Jahre de facto auf null gesetzt und die Märkte mit billigem Geld geflutet. Im Dezember 2015 gab es die erste Weichenstellung nach oben. Das Zielniveau für kurzfristige Zinsen, die Banken zahlen müssen, wenn sie sich über Nacht Geld leihen, wurde damals auf 0,25 bis 0,5 Prozent festgeschrieben. Rechnet man die Prognosen von gestern ein, könnte der Eckzins Ende 2017 bei 1,3 bis 1,5 Prozent liegen. Generelles Ziel bei den Korrekturen der Fed ist es, am Aktien- und Immobilienmarkt gefährliche Blasen zu verhindern, ohne die wirtschaftliche Dynamik zu drosseln. Fed-Präsidentin Yellen begründete den seit Monaten erwarteten und von einigen Ausschuss-Mitgliedern vehement geforderten Zinsschritt vor Medienvertretern mit der allgemeinen Stabilisierung der US-Wirtschaft. Die Arbeitslosenrate sank im November auf 4,6 Prozent. Das war die niedrigste Quote seit Sommer 2007. Es seien im laufenden Jahr knapp 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden. Die Inflationsrate wurde bei 1,6 Prozent festgesetzt.

Es gibt also noch Luft bei der von der Zentralbank als „gesund“ anvisierten Marke von zwei Prozent. Yellen: „Wir erwarten, dass sich die Lage weiter positiv entwickelt.“ Kurzfristig kann sich die Zinsanhebung nach Ansicht von Experten in einer weiteren Stärkung des Dollars im Vergleich zum Euro auswirken.

Reisen und Einkaufen in den USA wird für Ausländer teurer. Im Gegenzug können US-Unternehmen im Ausland günstiger einkaufen. Yellen, die erste Frau an der Spitze der 100 Jahre alte US-Notenbank, zögerte lange mit einem Drehen an der Zinsschraube, um der Konjunktur keinen Dämpfer zu verpassen. Bei Betrachtung der heutigen Gesamtlage seien aber weitere graduelle Schritte gegen die Niedrigzinspolitik sinnvoll, sagte die Kalifornierin.

Bei Zinssätzen nahe Null hätte die Zentralbank für den Fall, dass eine erneute Rezession drohen sollte, weniger Spielraum, um Verwerfungen an den Finanzmärkten abzufangen. Experten, die sich 2018/2019 ein Zinsniveau um die drei Prozent vorstellen, rechneten vor der Entscheidung für 2017 mit maximal vier Anhebungen des Leitzinses. Nun sollen es drei werden.

Ausschlaggebend für den weiteren Kurs der Fed wird die Politik des designierten Präsidenten Donald Trump sein. Er hatte Yellen im Wahlkampf vorgeworfen, die Zinsen aus politischen Gründen niedrig zu halten, um Obama und den Demokraten zu helfen. Yellen bestritt die Vorwürfe. Es wird davon ausgegangen, dass Trumps angekündigte Akzente – staatliches Infrastrukturprogramm, Steuersenkungen und Mehrausgaben fürs Militär – mehr Wachstum erzeugen, aber auch steigende Preise und höheres Staatsdefizit bedeuten.

Im Gegensatz zur Federal Reserve macht die Europäische Zentralbank am Mittwoch erneut deutlich, dass sie dem aufwärts gerichteten Zinsdruck nicht folgen wird. Ein Zurückfahren der Anleihekäufe sei nicht in Sicht ist, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Ein Aspekt dabei: Die Arbeitslosigkeit lag zuletzt in der Euro-Zone mit 9,8 Prozent doppelt so hoch wie in den USA.