Berlin

SPD will Arzneiversand nicht verbieten

Berlin.  Die Koalition steuert auf einen massiven Konflikt in der Gesundheitspolitik zu: Die SPD lehnt den Plan von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) ab, den Versand von rezeptpflichtigen Arzneimitteln zu verbieten. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kündigte gestern Widerstand gegen die Pläne an. „Wir sind mit dem Gesetzentwurf nicht einverstanden“, sagte Lauterbach. Ein einfaches Verbot sei „zu platt“.

Der Vizechef der SPD-Bundestagsfraktion brachte gleichzeitig eine grundsätzliche Reform der Honorare für Apotheker ins Spiel. Ihre Beratung müsse besser bezahlt werden.

Anlass für Gröhes Verbot ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Die Richter sahen den freien Warenverkehr in der EU dadurch beeinträchtigt, dass Versandapotheken in Deutschland keine Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente geben dürfen. Die niederländische Versandapotheke Doc Morris hatte daraufhin einen Preiswettbewerb angekündigt. Minister Gröhe sieht nun die „bewährte, flächendeckende und wohnortnahe Versorgung“ durch die traditionellen Apotheken in Gefahr.

„Man kann die Menschen nicht zwingen, in eine Apotheke zu gehen“, sagt dagegen SPD-Politiker Lauterbach. Ein komplettes Versandverbot, wie es Gröhe für Medikamente auf Rezept plane, „passt nicht in die Zeit“. Auf dem Land sei es schon jetzt schwer, eine Apotheke vor Ort zu betreiben. „In Dörfern, wo es keinen Hausarzt mehr gibt, kann keine Apotheke überleben“, so Lauterbach. Hier könne der Versandhandel sinnvoll sein. Dass Apotheker sich bedroht fühlten, sei aber nachvollziehbar, sagte der SPD-Politiker.

Wie nun ein Kompromiss innerhalb der Koalition aussehen könnte, ist noch nicht klar. Lauterbach sagte, er arbeite an eigenen Vorschlägen.