Lieferdienste

Foodora und Deliveroo kämpfen um Marktanteile in Deutschland

Die Lieferdienste Foodora und Deliveroo ringen mit Werbekampagnen um Marktanteile. Bald werden auch Burger von McDonald’s ausgeliefert.

Foto: Christian Kielmann

Berlin.  Jetzt auch noch McDonald's: Der Fast-Food-Riese will größer ins Geschäft mit Essenslieferungen einsteigen, kündigte McDonald's-Deutschland-Chef Holger Beeck an. Derzeit liefen Tests in Osnabrück, Köln und München. Bald könne der Test auf andere Städte ausgeweitet werden. Dafür setzt McDonald's auf zwei Partner: die Lieferdienste Deliveroo und Foodora. Diese wiederum liefern sich derzeit einen erbitterten Kampf um Marktanteile – besonders in Berlin.

Ein nasskalter Tag in Berlin-Mitte, das Smartphone von Lieferfahrer Jonasz Hapka piept laut. Schnell schwingt er sich auf sein Rennrad und fährt durch den Regen zu einem asiatischen Restaurant. Dort steht das Essen schon bereit. Hapka verstaut es im Rucksack, wenige Minuten später steht der 21-Jährige in einem Hausflur und übergibt die Bestellung.

Foodora und Deliveroo konkurrieren

An Hapkas Ausrüstung mit rosafarbener Jacke, rosa Helm und großem Logo auf dem Rucksack ist schnell erkennbar, für wen er unterwegs ist: Foodora, ein Lieferdienst für im Internet bestelltes Essen aus Restaurants. Ähnlich auffallend sind die Auslieferer bei Foodoras großem Konkurrenten Deliveroo – sie tragen türkisfarbene Outfits.

In deutschen Großstädten werden die bunten Radler immer präsenter. Sie sind die Fronttruppe in einem Wettbewerb, der von manchen Marktbeobachtern schon als Krieg bezeichnet wurde. An dessen Ende steht die Frage: Welcher Anbieter überlebt den Kampf der Lieferdienste? Oder werden zuletzt alle Opfer eines großen Hypes, der finanziell nicht trägt?

Auch Trüffel-Hanf-Risotto für 20 Euro ist im Angebot

Schon seit einigen Jahren können Kunden auf Onlineplattformen wie Lieferando, Lieferheld oder Pizza.de bei Imbissläden Essen bestellen und liefern lassen. Die Plattformen agieren dabei als reine Vermittler, die Speisen liefern die Lokale selbst aus. Anders bei den Start-ups Foodora und Deliveroo: Mit eigenen Lieferflotten bringen sie im Internet bestelltes Essen zu Kunden.

Im Fokus stehen hippe, gehobene Lokale ohne eigenen Lieferservice. In Berlin-Mitte bringt Foodora auch Trüffel-Hanf-Risotto für 20 Euro nach Hause. Neben den beiden Diensten transportiert seit Januar 2016 auch Lieferando Speisen von Restaurants zu Kunden – jedoch nur in Ergänzung zum Geschäft als Lieferungsvermittler.

Rasantes Wachstum

Noch wachsen Foodora und Deliveroo mit ihrem Geschäft rasant: Seit seiner Gründung im Oktober 2014 hat Foodora weltweit expandiert und kooperiert mit mehr als 8000 Restaurants in zehn Ländern. In Deutschland liefert das Berliner Start-up für 2000 Restaurants in mittlerweile 19 Städten aus. Der rosafarbene Lieferdienst wurde 2015 von der Rocket-Internet-Beteiligung Delivery Hero übernommen, zu der auch die Plattformen Lieferheld und Pizza.de gehören.

Foodora rechnet damit, im kommenden Jahr Speisen mit einem Wert von 150 Millionen Euro auszuliefern. "Deutschland ist unser Heimatmarkt, den wollen wir als unsere Festung etablieren", sagt Foodora-Mitgründer Julian Dames.

Deliveroo mit ambitionierten Zielen

Konkurrent Deliveroo arbeitet international mit über 16.000 Lokalen in zwölf Ländern zusammen. Das Unternehmen aus London erhielt in einer Finanzierungsrunde im August dieses Jahres 275 Millionen Euro. Seit 2015 ist der Lieferdienst mit dem Känguru im Logo in sechs deutschen Großstädten aktiv, darunter Berlin, Hamburg und München. "In Deutschland wächst unser Umsatz monatlich um 20 Prozent. Langfristig wollen wir hier Marktführer werden", sagte Felix Chrobog, Deliveroo-Deutschlandchef.

Um dieses Ziel zu erreichen ringen Foodora, Deliveroo massiv um Marktanteile: "Der Wettbewerb ist riesig. Das ist ein harter Verdrängungskampf", sagt Peter Lennartz, Leiter der Start-up Initiative von E&Y. Seit vergangenem Jahr wurden so schon einige Dienste aus dem Markt gedrängt.

"Es ist ein sehr harter Konkurrenzkampf"

Zunächst stoppte das belgische Unternehmen Take Eat Easy im September 2015 sein Deutschlandgeschäft. Der Anbieter Food Express meldete im November 2015 Insolvenz an. Zuletzt gab im August 2016 das Berliner Start-up Hungr auf. "Es ist ein sehr harter Konkurrenzkampf", sagt Deliveroo-Deutschlandchef Chrobog.

Deshalb kämpfen besonders Foodora und Deliveroo mit aufwendigen Werbekampagnen und riesigen Marketingbudgets um Aufmerksamkeit und die Marktführerschaft. In Berlin und anderen deutschen Großstädten verteilten die Start-ups dafür lange Zeit Unmengen an Flyern und Gutscheinen. Immer noch plakatieren sie ganze Innenstädte mit Werbung für ihre Dienste zu. Branchenkenner schätzen, dass bei den Online-Lieferdiensten die Marketingausgaben einen Großteil der gesamten Kosten ausmachen.

Uber will ebenfalls einsteigen

Dabei könnte der Wettkampf der Essensauslieferer zukünftig noch intensiver werden, denn mit Uber plant ein weiterer Wettbewerber den Eintritt in den deutschen Markt. Das US-Unternehmen ist groß geworden durch seine Fahrdienste, für Investoren ist es seit der letzten Finanzierungsrunde im Dezember 2015 ganze 62,5 Milliarden US-Dollar wert.

Mittlerweile liefert das Unternehmen aus San Francisco aber auch Essen aus und ist unter dem Namen UberEats weltweit bereits in 52 Städten tätig. Für 2017 plant Uber, auch in Berlin und München Speisen per Fahrradflotte zu bringen. "Wenn Uber kommt, wird der Markt noch härter", schätzt Chrobog.

Lieferdienste haben keine Angst

Dennoch sei der Einstieg in Deutschland auch für Uber kein Selbstläufer, meint der deutsche Deliveroo-Chef. "Uber ist in Deutschland nicht so bekannt, wie in anderen Ländern. Sie werden daher hart gegen uns kämpfen müssen." Auch Foodora-Mitgründer Julian Dames denkt, gegen die Konkurrenz aus den Staaten bestehen zu können: "Jeder glaubt, er kann Essen ausliefern, bis er es selbst probiert. Ubers Größenvorteile kompensieren wir mit unserer Expertise im Essens-Bereich."

Doch selbst wenn die Anbieter mit der neuen Konkurrenz zurechtkommen sollten: Noch machen die Auslieferer keinen Gewinn. Unklar ist, ob sich das Lieferdienst-Geschäft überhaupt jemals lohnt. Da Foodora und Deliveroo alles selbst ausliefern, brauchen sie eine umfangreiche Lieferflotte samt perfekter Technik und Organisation. Das ist logistisch extrem komplex – und sehr teuer. "Das ist ein schwieriges Geschäft.", sagt Jochen Pinske vom Gastro-Marktforschungsinstitut NPD-Group.

Schwieriges Erlösmodell

Zu den hohen Kosten kommt: Wie viele Bestellungen es gibt, lasse sich schwer vorhersagen. Regnet es abends, schießt die Bestellzahl in die Höhe. Bleibt es hingegen unerwartet sonnig, gehen die Leute lieber auswärts essen. Festangestellte Fahrer, wie sie Foodora ausschließlich und Deliveroo zur Hälfte einsetzen, müssen aber auch bezahlt werden, wenn in ihrer Schicht Bestell-Flaute herrscht. "Am Ende entscheidet, wie viele Aufträge ein Fahrer pro Stunde hat. Nur dann kann das Modell funktionieren", sagt Christian Leybold, Partner der Risikokapitalfirma E.Ventures.

Kritisch bewertet selbst Lieferando-Chef Jörg Gerbig das Geschäft mit den Lieferflotten. Zwar bringt auch sein Unternehmen Bestellungen zu den Kunden. Aber nur deshalb, weil man sich dadurch positive Effekte für die eigene Vermittlungsplattform erhofft. Mit dem Ausliefern allein ist Gerbig zufolge kein Geld zu verdienen: "Als eigenständiges Geschäftsmodell ist es nicht tragfähig." Die rosa- und türkisfarbenen Radler, die derzeit durch die Straßen eilen, vielleicht bleiben sie nur vorübergehende Farbtupfer im Bild deutscher Großstädte.

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