Berlin

Deutsche Bahn führt Wlan auch in der zweiten Klasse ein

Ab Januar sollen auch Telefonate störungsfrei möglich sein

Berlin. Mit dem Ärger von Bahnkunden über unterbrochene Telefonate oder die fehlende Internetverbindung soll es bald vorbei sein. Die Aufrüstung der zweiten Wagenklasse mit Wlan-Routern und Verstärkern für die Telefonie im ICE läuft auf Hochtouren. „Am 1. Januar geht es los“, verspricht Fernverkehrschefin Birgit Bohle. Dann können Fahrgäste kostenlos Mails abrufen oder surfen. Die Bahn stellt dafür ein Datenvolumen von 200 Megabyte pro Fahrgast zur Verfügung. Ist die Menge verbraucht, wird die Verbindung langsamer.

Messungen haben nach Bahnangaben ergeben, dass vier von fünf Passagieren mit diesem Freivolumen auskommen. Filmfans, die während der Fahrt gerne einen Kinostreifen herunterladen wollen, werden jedoch enttäuscht sein. Denn die gesamte Kapazität des Netzzugangs wird unter allen Fahrgästen gleichmäßig verteilt. Wenn es voll wird im Zug, verlangsamt sich der Netzverkehr also. Nur in der ersten Klasse will die Bahn ein vergleichsweise hohes Tempo dauerhaft sicherstellen.

Auf Filme und Serien müssen die Reisenden dennoch nicht verzichten. Die Bahn arbeitet mit der ProSieben-Tochter Maxdome zusammen. Ein stationärer Server im Zug hält kostenlos 50 Filme bereit, darunter einen Blockbuster im Monat. Wer mehr möchte: Mit einem Abo für 7,99 Euro im Monat steht das komplette Maxdome-Angebot zur Verfügung.

Technisch ist die Ausstattung der ICE-Flotte mit Internetzugängen aufwendig. 120 Millionen Euro kostet die Umrüstung der Züge. Hauptproblem ist das in vielen ländlichen Gebieten fehlende Mobilfunknetz. Bisher hat die Bahn nur mit der Deutschen Telekom zusammengearbeitet. Doch fast ein Drittel des ICE-Netzes kann der Bonner Konzern nicht abdecken. Deshalb sind jetzt auch die anderen beiden Netzbetreiber Vodafone und O2 dabei. Der Zug sucht sich während der Fahrt dann immer das gerade stärkste Netz aus. So sinkt die Zahl der Funklöcher um die Hälfte. Weil sie oft nur ein paar Hundert Meter lang sind, merken die Fahrgäste bei hohen Geschwindigkeiten kaum etwas von der Unterbrechung der Verbindung.

In dünn besiedelten Gebieten mit wenigen Funkmasten, wie auf der viel befahrenen Verbindung zwischen Berlin und Hamburg, wird es aber wohl vorerst noch größere Löcher geben. Die Bahn hofft, dass die Mobilfunkbetreiber sie bis Ende 2018 schließen. Den Aufbau der fehlenden Sendestationen hat die Bundesnetzagentur den Firmen auferlegt.

Hoffnung schöpfen können auch die Nutzer der Regionalzüge. Die Bahn hat mittlerweile ein Konzept für die Aufrüstung der Züge entwickelt und will nun mit den Bestellern der Verkehre, meist sind das die Länder, über den Einsatz sprechen.