Frankfurt/Bukarest

Ferrero trennt sich von Ü-Ei-Zulieferer

Bericht über Kinderarbeit und mögliche Hygienemängel belasten Süßwarenhersteller

Frankfurt/Bukarest. Nach einem Bericht über angebliche Kinderarbeit bei der Produktion von Überraschungseiern in Rumänien hat sich der Süßwarenhersteller Ferrero von einem rumänischen Zulieferer getrennt. Dies teilte Ferrero Deutschland in Frankfurt mit. Zwar habe man zunächst keine Hinweise auf Kinderarbeit bei der Produktion der Ü-Eier gefunden, wohl aber „Abweichungen von Ferrero-Richtlinien und -Verträgen“. Die von Ferrero eingeleiteten Untersuchungen seien noch nicht beendet.

Die britische Boulevardzeitung „The Sun“​ hatte berichtet, dass in Rumänien Familien – auch mit ihren Kindern – im Auftrag des Ferrero-Zulieferers Prolegis in Heimarbeit die für Ü-Eier vorgesehenen Plastikkapseln mit Spielzeug befüllen. Rumäniens Staatsanwaltschaft leitete daraufhin Ermittlungen wegen des Verdachts auf Ausbeutung Minderjähriger ein. Auf die Vorwürfe reagierte der Hersteller betroffen: „Wir nehmen diese Angelegenheit äußerst ernst und haben sofortige, umfassende Ermittlungen initiiert.“ Man kooperiere mit den rumänischen Behörden in vollem Umfang und werde den Vorwürfen nachgehen. Ferrero verfüge über strenge Regelungen für Lieferanten, die Kinderarbeit zwingend ausschlössen.

Unstimmigkeiten gab es unterdessen über die Entstehung eines Videos, das die „Sun“ veröffentlicht hatte: Eine dort gezeigte Frau, die als Heimarbeiterin in Rumänien für den Zulieferer arbeiten soll, bezeichnete den Bericht der Briten als falsch und das Video als „Inszenierung“. Sie mache diese Zuliefererarbeit zu Hause, Kinder seien aber nicht beteiligt, sagte sie rumänischen Medien. Sie sei davon ausgegangen, dass ein Werbefilm für Überraschungseier geplant gewesen sei. Ferrero selbst betonte in seiner Stellungnahme, dass die Medien im Hinblick auf die Vorwürfe „bereits eine Reihe von Unstimmigkeiten hervorgehoben“ hätten und ausführlich darüber berichteten.

Auch die Hygiene macht Ferrero Sorgen: „Die in dem Artikel (der ‚Sun‘) geschilderten Hygienebedingungen entsprechen keinesfalls den strengen Qualitätsvorgaben und Ansprüchen von Ferrero“, schrieb das Unternehmen. „Die Produktion aller Überraschungseier (die Schokolade wie auch die befüllte gelbe Kapsel)“ werde normalerweise „alle zwei Stunden insbesondere hinsichtlich möglicher Keimbelastungen überprüft“.

Ferrero gehört zu den Riesen der Süßwarenindustrie. Bekannte Produkte der italienischen Gruppe sind neben den Überraschungseiern die Kinder Schokolade, der Schokoriegel Duplo, der Brotaufstrich Nutella, die Schokopraline Ferrero Rocher und die Tic-Tac-Pastillen. Das Unternehmen verkauft seine Waren in mehr als 160 Ländern. Zuletzt erzielte die Gruppe einen Umsatz von 9,5 Milliarden Euro. Weltweit arbeiten mehr als 40.000 Menschen für Ferrero.