Berlin

Strompreise steigen 2017 kräftig

Um bis zu fünf Prozent könnten die Kosten zulegen. Wem es zu teuer wird, der kann den Anbieter wechseln

Berlin. 2016 war, aus Sicht der Stromkunden, ein gutes Jahr. Die Preise blieben nahezu konstant. Im kommenden Jahr wird sich das voraussichtlich ändern. Kunden müssen für Strom tiefer in die Tasche greifen. Das ergaben bundesweite Vergleiche der Vergleichsportale Check24 und Verivox.

Wie viele Anbieter erhöhen den Preis?
Fast jeder vierte Stromversorger – insgesamt 208 Anbieter – haben bereits eine Erhöhung angekündigt, sagte Check24-Geschäftsführer für Energie, Oliver Bohr. Im Schnitt stiegen die Preise um 3,5 Prozent. Das entspricht Mehrkosten von etwa 50 Euro im Jahr pro Haushalt. Und weil Anbieter weitere Preissteigerungen ankündigen könnten, rechnet Bohr für 2017 mit einer Strompreiserhöhung um vier bis fünf Prozent. Das Portal Verivox zählte bisher sogar 250 Anbieter, die Preissteigerungen zum Jahresbeginn ankündigten. Stromkonzerne müssen Erhöhungen sechs Wochen vorher ankündigen.


Warum steigen die Preise?

Zwar ist der Preis an der Strombörse anhaltend niedrig – im ersten Halbjahr 2016 waren die Beschaffungspreise sogar auf einen Tiefstwert gefallen.

Die Ökostrom-Umlage allerdings wird auch im kommenden Jahr steigen – um 8,3 Prozent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde. Und auch die Kosten für die Stromnetze steigen. Zusammen machen die Posten rund die Hälfte des Strompreises aus. „Die Netzentgelte sind der größte Kostentreiber bei den Strompreisen“, sagt Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft des Ökostrom-Anbieters Lichtblick. Stromkunden finanzieren mit der EEG-Umlage und den Netzentgelten die Energiewende mit. Allein das Vergütungsaufkommen für Erneuerbare-Energien-Kraftwerke aus der EEG-Umlage wird laut Bundesnetzagentur für 2017 auf 29,5 Milliarden geschätzt, denen nur knapp fünf Milliarden Euro Einnahmen am Markt gegenüberstehen. Die Netzkosten decken den Bau neuer Leitungen und den Unterhalt bestehender Netze ab, aber auch Eingriffe der Netzmanager bei starken Schwankungen von Wind- und Sonnenstrom. Dazu zählt die kostenpflichtige Abschaltung von Windkraftanlagen, wenn die bestehenden Leitungen den Strom nicht mehr transportieren können. Die Netzentgelte stiegen zuletzt besonders stark auf dem Land, im Osten und in Bayern – dort, wo besonders viele Wind-und Sonnenenergieanlagen errichtet und angeschlossen werden müssen.

Der Westen mit seinen modernen Stromleitungen zahlt geringer drauf. Die Bundesregierung plant ein Gesetz, um die Netzentgelte bundesweit zu vereinheitlichen.


Wie können sich Kunden wehren?

Erhöht ein Stromanbieter den Preis, haben Kunden in der Regel ein Sonderkündigungsrecht. Die Stromversorger müssen auf eine Preisänderung laut Gesetz „rechtzeitig, in jedem Fall jedoch vor Ablauf der normalen Abrechnungsperiode“ hinweisen.

Verbraucherschützer kritisieren, dass diese Mitteilungen häufig in Informationsbriefen mit langen Texten versteckt seien. dpa