Berlin

Mehr Verbraucherschutz in Schulen

Umfrage: Bürger wollen Aufklärung über Ernährung und Finanzen im Unterricht

Berlin.  Wie ernähre ich mich richtig? Woran erkenne ich, ob Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung stammt? Wie stelle ich sicher, dass Feuerwerkskörper nicht von Kindern hergestellt wurden?

Bewusstes Einkaufen beginnt schon im Kindesalter. Denn die meisten jungen Leute erhalten spätestens zu Beginn der Schulzeit Taschengeld und werden somit zu aktiven Konsumenten. Doch im Unterricht nimmt das Thema bislang eine eher untergeordnete Rolle ein. Ein Zustand, den die meisten Deutschen gerne ändern würden. „70 Prozent der Bundesbürger meinen, dass Verbraucherthemen im Schulunterricht zu kurz kommen.“ Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von TNS Emnid unter 1000 Befragten im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), die dieser Zeitung vorliegt. Den größten Informationsbedarf sieht die Mehrheit der Befragten von 95 Prozent in den Bereichen Ernährung und Gesundheit. Aber auch zu Fragen auf den Gebieten Umweltschutz und fairer Handel (93 Prozent), Geld und Versicherungen (92 Prozent) sowie Handy und Internet (70 Prozent) gebe es starken Nachholbedarf.

„Die Konsumwelt wird immer komplexer“, sagt Vera Fricke, Bildungsexpertin der Verbraucherzentrale. Die Schule müsse Kinder und Jugendliche befähigen, sich in dieser Welt kompetent zu bewegen. „Das erreichen wir nur, wenn wir Verbraucherbildung prüfungsrelevant in den Lehr- und Bildungsplänen verankern.“

Tatsächlich hatten sechs Prozent aller Jugendlichen schon einmal Schulden, die sie nicht zurückzahlen konnten. 1,66 Millionen Menschen unter 30 Jahren sind hierzulande laut Schuldneratlas der Creditreform überschuldet. Zudem gelten 15 Prozent als übergewichtig. „Schule muss hier einen soliden Grundstein legen“, meint die Verbraucherschützerin. Wenn Schulen Verbraucherwissen an Jugendliche vermitteln, erfolgt dies heute in der Regel im Rahmen der vorhandenen Schulfächer – zum Beispiel im Politik-, Biologie- oder Erdkunde-Unterricht. Als erstes Bundesland hatte Schleswig-Holstein vor sieben Jahren ein eigenständiges Schulfach Verbraucherbildung ins Leben gerufen. 2013 beschloss die Kultusministerkonferenz die Grundlagen für einen lebensnahen Unterricht. Doch bislang wurde dieser noch nicht überall umgesetzt. Jedes Bundesland entscheidet darüber selbstständig

Aus Sicht der Vorsitzenden des Verbraucherschutzausschusses im Bundestag, Renate Künast (Grüne), sollte jede Schule ein Fach Verbraucher- und Ernährungsbildung anbieten. „Hier geht es um zentrales Grundlagenwissen für die Lebensgestaltung.“ Zum Basiswissen gehöre dabei eine „finanzielle Allgemeinbildung“.