Geld

Schwere Trennung von der D-Mark – Milliarden noch im Umlauf

Nach wie vor sind D-Mark-Münzen und -Banknoten in Milliardenwert nicht umgetauscht. Der Grund: Sammler und Nostalgiker behalten sei.

Die D-Mark ist noch immer massiv im Umlauf. Mehrere Milliarden der ehemaligen deutschen Währung wurden noch nicht umgetauscht.

Die D-Mark ist noch immer massiv im Umlauf. Mehrere Milliarden der ehemaligen deutschen Währung wurden noch nicht umgetauscht.

Foto: imago stock&people

Berlin/Frankfurt/Main.  Das „Bildnis eines jungen Mannes“ auf dem Zehner, die Nürnberger Kaufmannsfrau Elsbeth Tucher auf dem Zwanziger: An den Kassen der Supermarktkette Kaufland ging es im vergangenen Januar nostalgisch zu. Unabhängig vom Einkaufsbetrag konnten Kunden einen Monat lang ihre Rechnungen an der Kasse in D-Mark und Pfennig begleichen.

„Wir wollten unseren Kunden die Möglichkeit geben, einfach und bequem ihre DM-Bestände zum Einkaufen zu nutzen“, heißt es vom Unternehmen. Mit der Resonanz sei man zufrieden gewesen, die Kunden hätten davon Gebrauch gemacht. Ob man eine solche Aktion aber wiederhole, „ist derzeit noch nicht entschieden“.

Noch D-Mark in Milliardenhöhe im Umlauf

Genug D-Mark jedenfalls ist noch im Umlauf. Nach jüngsten Zahlen der Bundesbank, die unserer Redaktion vorliegen, sind aktuell DM-Banknoten und -Münzen im Wert von rund 12,73 Milliarden DM im Umlauf (etwa 6,5 Milliarden Euro).

Davon sind 6,74 Milliarden DM in Münzen und 5,99 Milliarden DM in Banknoten noch nicht wieder bei der Bundesbank eingetauscht.

Münzen vor allem in Besitz von Sammlern

Fast 15 Jahre nach der Einführung des Euro zum 1. Januar 2002 ist das noch eine riesige Summe. Bei der Bundesbank in Frankfurt am Main geht man davon aus, dass die Münzen und Scheine vor allem bei Sammlern und Nostalgikern in Alben schlummern.

Dafür spricht, dass besonders die Banknoten und Münzen der kleineren Stückelung noch nicht zurückgegeben sind. Etwa der blaue Zehn-Mark-Schein oder der Glückspfennig.

Geld lagert oft in vergessenen Verstecken

Ein weiterer Teil der D-Mark-Bestände ist nach Vermutung der Bundesbanker auch einfach verloren gegangen, etwa durch Touristen, die das Geld nach Besuchen in Deutschland in ihre Heimatländer mit zurückgenommen haben. Weitere Bestände vermuten die Verantwortlichen auf Dachböden und in vergessenen Verstecken.

So fanden sich etwa in Nordrhein-Westfalen bei einer Hilfsorganisation im Altkleiderstapel zwischen alten Handtüchern mehrere Zehntausend D-Mark. In Hessen hatte ein Paar 60.000 Mark hinter einem losen Mauerstück versteckt – erst beim Auszug fand sich das Geld wieder.

Täglich Umtausch von D-Mark

Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele sagte unserer Redaktion, der mit Abstand größte Teil des DM-Bargeldes sei zwar 2001 und 2002 im Zuge der Euro-Bargeldeinführung zur Bundesbank zurückgelaufen. Täglich würden aber in den Filialen der Bundesbank immer noch Umtauschgeschäfte vorgenommen, „weil in Deutschland eine zeitlich unbegrenzte Möglichkeit zum Umtausch von DM in Euro besteht“.

„Im Wesentlichen werden gefundene Banknoten und Münzen umgetauscht“, hebt Thiele hervor. Im vergangenen Jahr waren das immerhin 80 Millionen DM-Banknoten und 40 Millionen DM-Münzen.

Kein triftiger Grund für das Horten der D-Mark

Die Trennung scheint dennoch schwerzufallen, denn einen triftigen Grund für das Horten der D-Mark gibt es nicht. Spätestens die Finanzkrise machte deutlich, dass es ein Comeback der D-Mark nicht geben wird. Mag es auch um den Euro noch so schlecht stehen. Die D-Mark als Symbol für das deutsche Wirtschaftswunder – diese Sehnsucht scheint bei vielen Deutschen noch zu existieren.

Anfangs sei es Teilen der Bevölkerung nicht leichtgefallen, sich von der D-Mark zu verabschieden, heißt es auch von der Bundesbank. Doch mittlerweile sprächen sich in aktuellen Umfragen der Europäischen Kommission rund 73 Prozent der Deutschen für den Euro aus.

Tietmeyers beliebte Anekdote zur D-Mark

Der ehemalige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer gab gerne die Anekdote zum Besten, er habe 1998 im Jahr der Euro-Einführung das Orakel im griechischen Delphi gefragt, welche Währung auf Dauer stabiler sein werde, die Mark oder der Euro. Zur Antwort habe er erhalten: „Die Mark nicht der Euro.“ Offen ließ Tietmeyer stets, welche Währung es denn nun sei: an welcher Stelle das Orakel das Komma setzte, ob vor oder nach dem „nicht“, klärte er bewusst nicht auf. Für viele gehört das Komma nach wie vor hinter die Mark.