Berlin

Das Geschäft mit der Angst

Terrorgefahr, Horror-Clowns und Hauseinbrüche: Die Bevölkerung ist verunsichert, der Sicherheitsbranche beschert das ein deutliches Umsatzplus

Berlin. Wer eine Drogerie betritt, ist in der Regel auf der Suche nach Shampoo oder Waschpulver. Seit Juni können Kunden des Drogeriemarktes dm allerdings auch ein für diese Märkte ungewöhnliches Produkt erwerben: Ein Tierabwehrspray, besser bekannt als Pfefferspray. 40 Milliliter kosten 5,95 Euro.

„Es gab vermehrt Nachfragen von unseren Kundinnen, die ein Tierabwehrspray in gewohnter Einkaufsumgebung kaufen wollten“, begründet dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer das Angebot. Das Produkt sei im Spätsommer sogar kurze Zeit ausverkauft gewesen. Ob sich die Kundschaft mit dem Spray allerdings tatsächlich gegen tollwütige Füchse wehrt, darf bezweifelt werden.

Der Absatz von Pfefferspray hat sich vervierfacht

Die Nachfrage scheint vielmehr Ausdruck einer gestiegenen Angst in der Bevölkerung zu sein. Begründet etwa in der steigenden Terrorgefahr, den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln und in Attacken von Horror-Clowns.

Was nun im konventionellen Handel angekommen ist, macht sich schon seit einiger Zeit in den Fachgeschäften bemerkbar. Diese freuen sich über das boomende Geschäft mit dem Wunsch nach Sicherheit und verzeichnen ein deutliches Umsatzplus. Waffen fragen nun auch diejenigen nach, die keine Sportschützen sind.

Laut dem Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VDB) hat sich der Absatz allein von Tränengas und Pfefferspray in den vergangenen zwei Jahren vervierfacht. Dass Pfeffersprays nun auch in der Drogerie zu haben sind, sehen die Fachhändler allerdings kritisch. Schließlich kann ein falscher Gebrauch auch schaden. „Abwehrsprays gehören in den Fachhandel“, fordert daher der VDB.

Bei den Schreckschusswaffen hat sich die Zahl verkaufter Waren nahezu verdoppelt. Für den Gebrauch dieser Waffen ist kein Waffenschein notwendig, allerdings dürfen sie auch nicht in der Öffentlichkeit geführt werden. Der Besitzer darf die Waffe nur auf dem eigenen Grundstück bei sich tragen.

Das reicht immerhin, um sich gegen Einbrecher zu wehren. Immerhin wurden im vergangenen Jahr bundesweit mehr als 167.000 Einbrüche und Einbruchsversuche registriert. Das sind fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Im Schnitt brauchen Einbrecher weniger als drei Minuten, um in die Wohnung oder das Haus einzudringen. Laut Polizeistatistik brechen die Kriminellen nach etwa fünf Minuten ab, wenn sie sich keinen Zugang verschaffen können. Es lohnt sich also, den Einbrechern Hürden in den Weg zu stellen.

Die gestiegene Zahl der Einbrüche führt auch dazu, dass Bürger verstärkt ihre Wohnung aufrüsten. Die Anbieter von Sicherheitstechnik verzeichnen Rekordeinnahmen. Laut Bundesverband Sicherheitstechnik (BHE) rechnet die Branche mit einem Umsatz von mehr als 3,8 Milliarden Euro in diesem Jahr. Das sind knapp fünf Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Vor allem Alarmanlagen seien ein Absatzrenner. Gefolgt von Videoüberwachungstechniken und Systemen, die den Zutritt zu Gebäuden und Räumen steuern. Viel Geld machen die Anbieter auch mit Brandmeldetechnik, Rufanlagen oder Fluchttürsystemen.

Je nach Art der Technik, je nach Größe des Hauses werden bis zu mehreren Tausend Euro für eine solche Anlage fällig. Eine Sprecherin des BHE rät, dass auf Sicherheitstechnik spezialisierte Fachfirmen mit qualifiziertem Personal die Anlagen einbauen sollten. Diese arbeiteten auch mit der Polizei zusammen.

Diebe würden am liebsten in der Ferienzeit und in den dunklen Herbst- und Wintermonaten einbrechen, da an der Beleuchtung leicht zu erkennen ist, ob sich jemand im Haus aufhält, erklärt der BHE. Auch Facebook nutzten die Kriminellen heute, um herauszufinden, wann sich der Einbruch lohnt. Das hochgeladene Urlaubsfoto gebe Aufschluss darüber, ob ein Hausbewohner auf Reisen ist.

Gefängnisse schützen sich vor Drohnen

Doch nicht nur Privatleute rüsten auf. Auch öffentliche Einrichtungen und Unternehmen bemühen sich um ihre Sicherheit. Flughäfen und andere öffentliche Gebäude werden besser ausgestattet, Kraftwerke strenger überwacht. „Behörden und Unternehmen müssen sich auf neue Bedrohungen einstellen“, sagt ein Sprecher des Verbandes für Sicherheitstechnik.

Zunehmend müssten sich beispielsweise die Justizvollzugsanstalten auf den Einsatz von Drohnen gefasst machen. Gefangene versorgten sich mit Rauschgift oder Waffen. Auch an Flughäfen werden die Drohnen zum Problem.

Unternehmen müssten künftig in Forschung und Entwicklung neuer Sicherheitstechniken viel investieren, erwartet der BHE. Das Umsatzplus komme der Branche also gelegen.