Berlin

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen VWs Chefaufseher

Vorwurf der Marktmanipulation im Abgasskandal

Berlin. Bei Volkswagen jagt eine schlechte Nachricht die nächste. Am Wochenende gab es gleich zwei Hiobsbotschaften: Ausgerechnet Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, der als höchster Vertreter der Aktionäre die Aufarbeitung der Affäre verantwortet, ist nun im Visier der Staatsanwaltschaft. Und gegen die Konzerntochter Audi gibt es neue Manipulationsvorwürfe.

Am Sonntag räumte Volkswagen ein, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig den Kreis der Verdächtigen ausgeweitet hat. Sie geht nun dem Verdacht nach, dass nicht nur VW-Markenchef Herbert Diess und der Ex-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, sondern auch Pötsch dafür verantwortlich ist, zu spät über den Abgasskandal informiert zu haben. Pötsch war während des Bekanntwerdens der Affäre im September 2015 Finanzvorstand.

In einer Pressemitteilung betonte Volkswagen, Pötsch habe sich „ordnungsgemäß“ verhalten. Auch die Großaktionäre, die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen, stärkten Pötsch den Rücken. Die Ermittlungen kommen aber nicht überraschend, denn zu den zentralen Aufgaben eines Finanzvorstands gehört es, die Aktionäre über wichtige Ereignisse unverzüglich zu informieren.

Am 22. September 2015 hatte Volkswagen öffentlich gemacht, dass weltweit rund 11 Millionen Fahrzeuge mit Dieselmotoren unterwegs seien, die so manipuliert wurden, dass sie in Tests weniger Abgase produzieren als im realen Betrieb. Damals wusste Volkswagen schon monatelang von Ermittlungen der US-Umweltbehörden. Deshalb klagen zahlreiche Aktionäre, die heftige Kursverluste hinnehmen mussten. Allein vor dem Landgericht Braunschweig verlangen sie rund acht Milliarden Euro von VW.

Ferdinand Dudenhöffer, der Leiter des Auto-Instituts CAR, sagte dieser Zeitung, die Ermittlungen seien konsequent, da es „völlig unverständlich“ sei, dass die Vorwürfe der US-Behörden nicht sofort zu einer Ad-hoc-Mitteilung an die Aktionäre geführt hätten. Für den Konzern räche sich nun auch, Pötsch trotz der Verstrickung zum Aufsichtsratschef gemacht zu haben.

Im Abgasskandal selbst gibt es indes ebenfalls neuen Ärger. Die „Bild am Sonntag“ berichtete, die kalifornische Umweltbehörde Carb habe bei der Konzerntochter Audi illegale Software entdeckt. Wenn das Lenkrad nicht bewegt wird, schalte ein Automatikgetriebe in einen Modus, der deutlich weniger Sprit verbrauche. Dies gelte für Diesel- wie für Benzinmotoren und hat offenbar vor allem Auswirkungen auf Spritverbrauch und Kohlendioxidausstoß. Bislang geht es bei den Manipulationen vor allem um giftige Stickoxidemissionen.