Luftverkehr

Ryanair landet im Lufthansa-Nest und erzürnt die Konkurrenz

Der Flughafenbetreiber Fraport lockt den Billigflieger Ryanair mit Gebührenrabatt – und verärgert damit den Hauptkunden Lufthansa.

So sehen Sieger aus: Fraport-Chef Stefan Schulte (M.) mit den Ryanair-Managern David O‘Brien (l.) und Kenny P. Jacobs.

So sehen Sieger aus: Fraport-Chef Stefan Schulte (M.) mit den Ryanair-Managern David O‘Brien (l.) und Kenny P. Jacobs.

Foto: KAI PFAFFENBACH / REUTERS

Frankfurt/Main.  Mittwochmorgen beginnt auf dem Frankfurter Flughafen die neue Zeitrechnung. Um 10.09 Uhr setzt die Boeing 737-800 von Ryanair auf dem Rollfeld auf – die Delegation des irischen Billigfliegers lässt es sich nicht nehmen, mit dem eigenen Flugzeug zu kommen, um zu verkünden, dass Europas Billigflieger Nummer eins demnächst von Deutschlands größtem Flughafen startet.

Fraport-Chef Stefan Schulte ist auf das Rollfeld geeilt, um die Iren aus Dublin zu empfangen. Die Manager posieren mit einem Schild: „Frankfurt am Main – neue Basis.“ Ein besonderer Tag für Ryanair, das bisher nur in Frankfurt-Hahn gelandet war – dem kleinen Hunsrück-Flughafen etwa 120 Kilometer entfernt in Rheinland-Pfalz.

Täglich Flüge nach Alicante, Faro und Mallorca

Kurze Zeit später in der Unternehmenszentrale des Frankfurter Flughafenbetreibers: Etwa ein halbes Dutzend TV-Kamerateams, dazu viele Fotografen und zahlreiche Journalisten warten auf die Manager, die nun offiziell verkünden, was am Dienstag schon weitgehend durchgesickert ist: Mit Beginn des Sommerflugplans 2017 werden Ryanair-Flugzeuge auch von Frankfurt aus starten. Die Iren stationieren zwei Flugzeuge, die täglich Faro in Portugal, Palma de Mallorca, Alicante und Malaga in Spanien anfliegen werden.

Ryanair rechnet mit 400.000 Passagieren pro Jahr: „Das ist für Ryanair sehr wenig“, sagt Marketing-Vorstand Kenny Jacobs. Das entspricht etwa 2,3 Prozent aller Passagiere. „Aber alle guten Dinge beginnen klein.“ Er hoffe er, im Januar einen „sehr viel größeren“ Winterflugplan 2017 ankündigen zu können.

Der teuerste Flughafen überhaupt gewährt Rabatt

„Ryanair ist eine der großen und bedeutenden Fluggesellschaften in Europa, und wir haben Marktveränderungen. Auf diese Marktveränderungen müssen wir auch hier am Frankfurter Flughafen reagieren“, begründet Fraport-Chef Schulte die Entscheidung seines Unternehmens für den neuen Kunden. Fraport gilt als teuerster Flughafen in Europa, doch das Unternehmen gewährt Ryanair einen Neukundenrabatt. Das ist möglich, weil zum Jahreswechsel eine neue Gebührenordnung in Kraft treten soll, die solche Nachlässe erlaubt. Allerdings muss das hessische Verkehrsministerium sie noch genehmigen.

Schulte möchte den Flughafen stärker auslasten, weil der Hauptkunde Lufthansa derzeit leicht schrumpft und die Passagierzahlen in Frankfurt insgesamt leicht gesunken sind – wenn auch etwa wegen der Terroranschläge der vergangenen Monate in Europa.

Lufthansa-Chef Spohr will auch weniger zahlen

An diesem Neukundenrabatt entzündet sich jetzt auch der Streit: „Wenn es diese günstigeren Konditionen gibt, dann müssen sie für alle Fluggesellschaften gelten“, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften, Michael Engel. Auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr kündigt an, dass man vom Sommer an nicht mehr an Gebühren zahlen werde als Ryanair. „Eine andere rechtliche Situation kann ich mir nicht vorstellen“, sagt er bei Vorlage der Quartalsbilanz. „Wenn wir ab nächsten Sommer die gleichen Kosten überweisen wie Ryanair, sparen wir bei Lufthansa jedes Jahr zwischen 200 und 300 Millionen Euro.“

Ryanair wird von Frankfurt aus mit Niedrigpreisen operieren: Schon jetzt kann man buchen: Der erste Flug nach Alicante ist für den 28. März angesetzt – am Mittwochnachmittag war ein Standardticket noch für 9,99 Euro zu haben.