Nahrungsmittel

Discounter Aldi verteuert Frischmilch um mehr als 40 Prozent

Discounter Aldi geht vorweg und hebt seine Preise für Milchprodukte an. Trotz der Erhöhung ist die Milchkrise noch nicht überwunden.

Arbeiter legen in einem Milchviehbetrieb das Melkgeschirr an. Für viele Milcherzeuger ist die wirtschaftliche Situation angesichts niedriger Milchpreise schwierig. Jetzt steigen sie bei Aldi zumindest drastisch.

Arbeiter legen in einem Milchviehbetrieb das Melkgeschirr an. Für viele Milcherzeuger ist die wirtschaftliche Situation angesichts niedriger Milchpreise schwierig. Jetzt steigen sie bei Aldi zumindest drastisch.

Foto: Jens Büttner / dpa

Düsseldorf.  Für Frischmilch der untersten Preislage zeichnet sich ein kräftiger Preisanstieg im deutschen Lebensmittelhandel ab. Die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd haben den Preis für fettarme Frischmilch um 18 auf 60 Cent je Liter angehoben – ein Anstieg von knapp 43 Prozent. Bei frischer Vollmilch stieg der Preis um 19 auf 65 Cent je Liter – 41 Prozent mehr als bisher.

Das Schwesterunternehmen Aldi Nord bestätigte die höheren Preise für diese Produkte. Auch einige andere Produkte wurden teurer. Fettarme H-Milch kostet jetzt 42 statt 60 Cent, der Preis von Speisequark stieg um 24 Cent auf 79 Cent und die Schlagsahne (200 Gramm) wird für 45 Cent statt zuvor 30 Cent angeboten. Aldi Süd begründete die kräftigen Preisanhebungen mit der Marktentwicklung.

Niedrige Milchmenge lässt Preis steigen

Der Milchindustrie-Verband sieht verschiedene Gründe, warum die Preise jetzt deutlich steigen. Die Milchmenge in Europa sei saisonal bedingt niedriger, auch auf dem Weltmarkt sei das Aufkommen gesunken, zählte ein Sprecher auf. Hinzu sei der Aufkauf von Magermilchpulver durch die EU gekommen. Dem stünden stabile Absätze von Milchprodukten bei Verbrauchern und Industrie gegenüber.

Mit den sich abzeichnenden Preiserhöhungen im deutschen Einzelhandel werde jetzt nur wieder das Niveau erreicht, das vor den umfangreichen Preissenkungen bestanden habe. „Über einen langen Zeitraum sind die Preise auf ein sehr niedriges Preisniveau gesunken“, verdeutlichte der Sprecher. Käse und Butter waren in den vergangenen Monaten bereits teurer geworden

Neue Lieferverträge seit 1. November

Der 1. November ist der Stichtag für neue Halbjahresverträge zwischen Molkereien und Handelskonzernen für Trinkmilch sowie eine Reihe von Milchprodukten in unteren Preislagen. An den Aldi-Preisen orientieren sich üblicherweise auch die Supermarkt-Riesen. Daher wird erwartet, dass weitere große Lebensmittelhändler bei Anhebungen mitziehen werden.

Es hatte sich bereits abgezeichnet, dass Molkereien bei der jüngsten Verhandlungsrunde höhere Preise durchsetzen. Die Milchbauern leiden seit Längerem unter einem sehr niedrigen Preisniveau. Mit höheren Preisen für Trinkmilch ist für sie die Krise aber noch nicht ausgestanden, wie der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter vergangene Woche erklärt hatte.

Regierung verabschiedet Hilfspaket für Bauern

Die Bundesregierung hat am Mittwoch ein Hilfspaket für Milchbauern mit einem Volumen von fast 600 Millionen Euro bis Ende 2017 genehmigt. Es setzt sich zusammen aus Finanzhilfen der EU und aus dem Bundeshaushalt, einem Bürgschaftsprogramm für Kredite, Zuschüssen zur Unfallversicherung und Steuerentlastungen.

Das Milchpaket von 581 Millionen Euro ist zum Teil an die Bedingung geknüpft, dass die Produktionsmenge nicht weiter ansteigt. Dass weniger Milch produziert werde, führe bereits zu einem Anstieg der Preise, sagte Agrarminister Christian Schmidt (CSU) am Mittwoch. Die nun verabschiedeten Hilfen hatten EU und Bund bereits in Aussicht gestellt.

Milchkrise noch nicht überwunden

Mit höheren Preisen im Handel ist die Krise der Bauern nach Verbandseinschätzung noch nicht ausgestanden. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) hatte vergangene Woche darauf hingewiesen, dass die Preiserhöhungen zum 1. November frühestens im Dezember auf den Konten der Bauern ankämen.

Außerdem hätten sich Bauern massiv verschuldet, um durchhalten zu können. Es werde deshalb lange dauern, die Folgen der Krise zu bewältigen. (dpa)