Frankfurt/Main

VW legt für Abgaskrise noch mehr Geld zurück

Der Autokonzern bildete im dritten Quartal rund 400 Millionen Euro Finanzpuffer zur Vorsorge in der Diesel-Affäre

Frankfurt/Main. Der Volkswagen-Konzern hat erneut Sonderbelastungen verbucht und noch einmal mehr Geld für die Bewältigung der Diesel-Krise zur Seite gelegt. Insgesamt fielen im dritten Quartal rund 400 Millionen Euro an „Vorsorgen im Zusammenhang mit der Dieselthematik“ an, wie das Unternehmen am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte. Details zu den genauen Posten des Finanzpuffers gab Europas größter Autobauer zunächst nicht bekannt. Die Rückstellungen summieren sich damit auf nunmehr 18,2 Milliarden Euro. Vorstandschef Matthias Müller betonte: „Der Konzern ist voll handlungsfähig – trotz aller aktuellen Belastungen.“

Lässt man die Kosten der Abgaskrise außen vor und betrachtet den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ohne Sondereinflüsse, sieht es gut aus für die Wolfsburger. Von Juli bis September verdiente das Wolfsburger Zwölf-Marken-Imperium 2,3 Milliarden Euro, nachdem im Vorjahr wegen der ersten Rückstellungen für die Kosten der Diesel-Affäre ein Verlust von 1,7 Milliarden Euro zu Buche gestanden hatte. Per Ende September lag der Gewinn mit 5,8 Milliarden Euro 48 Prozent über dem Vorjahresstand. Der Umsatz verharrte bei 160 Milliarden Euro. VW traut sich nun im Gesamtjahr einen Erlös wie 2015 von gut 200 Milliarden Euro zu.

Doch die Achillesferse bleibt die Hauptmarke Volkswagen, die die größte Last bei der Bewältigung der Abgaskrise trägt. Während die Sportwagentochter Porsche im abgelaufenen Quartal eine branchenweite Spitzenrendite von mehr als 18 Prozent einfuhr und die Premiummarke Audi neun Prozent schaffte, dümpelte das Flaggschiff bei 1,5 Prozent herum. Der operative Gewinn brach im dritten Quartal noch stärker ein als von Analysten befürchtet: um 55 Prozent auf 363 Millionen Euro. Als Grund nennt VW „höhere Vermarktungskosten infolge der Abgasthematik“.

Volkswagen will unter dem Druck des Dieselskandals und schärferer CO2-Vorgaben in der EU in den kommenden Jahren mit hohem Tempo das Angebot an Elektroautos ausbauen. Zugleich werden digitale Dienste und selbstfahrende Autos entwickelt, sodass VW-Chef Matthias Müller von einer „Transformation vom Autobauer zum Anbieter nachhaltiger Mobilität“ spricht. Getrieben wird VW dabei nicht nur von den altbekannten Rivalen wie BMW, Daimler oder Renault, sondern auch von der erstarkenden Konkurrenz aus der amerikanischen IT-Welt – allen voran der Elektroautopionier Tesla. Dessen Chef Elon Musk machte den deutschen Autobossen vor, wovon diese lange die Finger ließen: Er bot schicke Autos mit Riesenbatterien und langer Reichweite an, mit Erfolg.

Auch mit dem 15 Milliarden Euro teuren Vergleich zur Entschädigung der rund 475.000 betroffenen Kunden sowie Händlern und Behörden in den USA ist der Wolfsburger Autobauer einen großen Schritt weiter. „Der größte Brocken ist damit weg“, sagte Frank Biller, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Damit werde es wieder leichter für VW, über Anleihen frisches Geld aufzunehmen.