Frankfurt/Main

Postbank könnte Abbau Tausender Stellen drohen

Deutsche Bank erwägt, Institut in eine Holding auszulagern

Frankfurt/Main. Plant die Deutsche Bank eine Wiedereingliederung der Postbank? Entsprechende Gerüchte bestätigte das Geldhaus zwar nicht. Aber angeblich soll der Aufsichtsrat sich mit diesem Thema befasst haben. Sollte es so kommen, wären Tausende Jobs in Gefahr. Es wäre eine Rolle rückwärts. Schließlich steht die gelbe Bank seit anderthalb Jahren zum Verkauf, es fanden sich jedoch keine Interessenten, die den gewünschten Preis bezahlen wollten.

Nun ist zu hören, die Postbank könnte als eigenständiges Unternehmen verschwinden, sie könnte zusammen mit dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank in eine eigene Holding ausgelagert werden. Die Kunden beider Häuser würden zusammengelegt. Eine Folge: Tausende Arbeitsplätze würden gestrichen – knapp 14.800 Mitarbeiter beschäftigte allein die Postbank 2015.

Deutsche Bank könnte stärker auf Kunden-Einlagen zugreifen

Ein Jobabbau wäre aus Sicht der Deutschen Bank aber ein Vorteil – sie will ihren Sparkurs offenbar nochmals deutlich verschärfen. Ein weiterer Vorteil aus Sicht des Instituts: Sie könnte mit einer Wiedereingliederung stärker als bisher auf die Einlagen der 14 Millionen Postbank-Kunden zugreifen. Das erleichtert die Refinanzierung. Als der frühere Vorstandschef Josef Ackermann die gelbe Bank 2010 gekauft hatte, hatte er eher daran gedacht, diese Einlagen zur Absicherung des Investmentbankings zu nutzen. Das aber hatte die Finanzaufsicht untersagt, Ackermann-Nachfolger Anshu Jain hatte sie deshalb auf die Verkaufsliste gesetzt.

Mit der nun angedachten Neustrukturierung wäre es offenbar aber möglich, doch auf die Kundeneinlagen zurückzugreifen. Das wäre ein weiterer Vorteil: „Die Refinanzierung am Kapitalmarkt ist für die Deutsche Bank teuer geworden“, erklärt Analyst Markus Rießelmann. Vielleicht erkenne der Vorstand auch einen anderen Vorzug der Postbank, sagt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim. Deren 14 Millionen Kunden könnten großes Potenzial bieten: „Aus einem Studenten, der ein Konto bei der Postbank hat, wird später vielleicht ein Anwalt oder Unternehmer. Und solche Kunden könnten für das Kerngeschäft der Deutschen Bank doch interessant werden.“