Berlin

Superreiche erben öfter als der Rest der Bevölkerung

Ökonomen erforschen, wie Vermögende zu Geld kommen

Berlin. Das aufsehenerregendste Wirtschaftsbuch der vergangenen Jahre hat eine ziemlich deprimierende Botschaft: Der französische Ökonom Thomas Piketty beschrieb in seinem 2014 erschienenen Bestseller „Das Kapital im 21. Jahrhundert“, dass ein Angestellter kaum Chancen hat, es jemals zu großem Reichtum zu bringen. Denn Löhne würden, im Gegensatz zu Kapital, weniger schnell wachsen.

Wie die Reichen des Landes zu Geld kommen, ist bislang kaum erforscht. Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Universität Potsdam haben sich nun im Auftrag von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) darangesetzt, die Lebenssituation der Reichen zu vermessen. 130 Personen mit einem Nettogeldvermögen im Haushalt von mindestens einer Million Euro wurden befragt.

Das Ergebnis deckt sich mit dem, was Piketty herausgefunden hat: Reich wird man hierzulande nicht durch Lohnarbeit, sondern vor allem durch Vererbung und durch ein eigenes Unternehmen. Etwa drei Viertel der befragten Superreichen über 40 Jahre gaben an, durch Schenkung oder eine Erbschaft zu Geld gekommen zu sein, 18 Prozent sogar durch zwei oder mehr. Im Rest der Bevölkerung hingegen hat lediglich knapp über ein Drittel der über 40-Jährigen einen solchen Transfer bereits erhalten. „Hochvermögende haben in der Regel mehrfach und dabei überdurchschnittlich hohe Beträge geerbt oder Vermögen geschenkt bekommen“, sagt DIW-Experte Markus Grabka. So sind denn auch nur fünf Prozent der Hochvermögenden Arbeiter oder Angestellte – letztere machen jedoch mehr als 40 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Die Studie offenbart zudem ein Ungleichgewicht bei der Verteilung zwischen den Geschlechtern. Vermögende sind überwiegend männlich. Für Frauen ist oft die Heirat ein Weg, reich zu werden. Ein Fünftel der Frauen gab an, dass die Hochzeit der Hauptgrund für das Vermögen war. Die Autoren fragten auch nach der Lebenseinstellung reicher Menschen.

Es zeigte sich, Personen mit großem Vermögen bezeichnen sich auch als risikofreudiger als die Gesamtbevölkerung. Angesichts dieser Ergebnisse kritisieren die Autoren der Studie die „vergleichsweise milden Erbschafts- und Schenkungssteuer“. Auch Piketty wurde nach seiner Forschung zum Verfechter einer Vermögensteuer und eines hohen Spitzensteuersatzes.