Berlin

Ifo-Chef plädiert für Übergangsphase bei Brexit

Berlin. Der Chef des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, hat vor einem harten Austritt Großbritanniens aus der EU gewarnt. Stattdessen wirbt er für ein Übergangsszenario nach dem offiziellen Brexit von womöglich bis zu zehn Jahren. „Das wäre der eleganteste und wohl einzig mögliche Weg“, sagte der Ökonom. Denn so würde Großbritannien nicht plötzlich aus dem europäischen Binnenmarkt austreten, es würde für neue Abkommen Zeit bestehen. Dann könnten auch für die sich anschließende Phase die langfristigen Beziehungen der Briten mit der EU geklärt werden.

Mit dieser Forderung stellt sich der ifo-Präsident gegen die Linie von EU-Politikern, wonach Großbritannien nur dann den Zugang zum Binnenmarkt behalten solle, wenn das Land die Freizügigkeit von EU-Bürgern akzeptiere.

Unterdessen werden neue Details bekannt, wie Großbritanniens Premierministerin Theresa May den Brexit gestalten will. Laut der britischen Zeitung „Sunday Times“ plant die Regierungschefin eine drastische Senkung der Unternehmensteuer, sollte die EU zen­trale Forderungen zu Finanzwirtschaft und Handel nicht erfüllen. Das hätte zur Folge, dass Firmen aus der Staatengemeinschaft künftig nach Großbritannien gelockt werden. Außerdem wolle May den freien Handel mit der EU so weitreichend wie möglich erhalten.

Die Vorschläge stammten von den Beratern von Premierministerin Theresa May, berichtete die Zeitung. Vier Monate nach dem Brexit-Votum wachsen in Großbritannien Ängste, dass die anderen EU-Länder in den künftigen Gesprächen über den Austritt einen harten Kurs fahren werden.