Berlin

Samsungs brennendes Problem

Beim Galaxy Note 7 entzünden sich auch ausgetauschte Akkus – und führen zum Produktionsstopp

Berlin. Für Samsung werden die Probleme um brennende Akkus beim neuen Smartphone-Flaggschiff Galaxy Note 7 zum Albtraum. Der Weltmarktführer hat die Produktion des Geräts gestoppt, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf den Manager eines Samsung-Zulieferers meldete. Der Konzern zog die Reißleine, nachdem auch ein wegen Brandgefahr bereits ausgetauschtes Exemplar vergangene Woche an Bord eines Flugzeugs Feuer gefangen hatte. Samsung selbst teilte mit, die Produktion werde „vorläufig angepasst“, um eine bessere Qualitätskon­trolle zu ermöglichen. Die US-Mobilfunkanbieter AT&T, T-Mobile US und Verizon geben ihren Kunden keine Note 7 mehr heraus.

Am 2. September, zwei Wochen nach Verkaufsstart des Geräts, hatte Samsung alle 2,5 Millionen bis dahin ausgelieferten Note 7 zurückgerufen. Zuvor waren im Internet Bilder von verschmorten Handys aufgetaucht. Das Wort „Explosionsgefahr“ machte die Runde. Die Ursache: fehlerhafte Akkus. Samsung versprach, die gefährlichen Geräte durch neue zu ersetzen. Das Problem lösten sie offenbar nicht. Denn erst wurde ein startbereites Passagierflugzeug in den USA wegen eines brennenden Austauschgerätes evakuiert. Und dann wurden weitere Fälle bekannt, in denen Austauschgeräte in Flammen aufgingen. Eines entzündete sich in den Händen eines 13-jährigen Mädchens, zwei andere hüllten die Schlafzimmer ihrer Besitzer in Rauch.

In Deutschland dürften nur wenige Smartphone-Nutzer ein Galaxy Note 7 besitzen. Der Tag der geplanten nationalen Markteinführung fiel zusammen mit der weltweiten Rückrufaktion. Zuletzt hatte Samsung den Verkaufsstart in Europa für den 28. Oktober angekündigt. Doch mittlerweile ist fraglich, ob das Note 7 überhaupt eine Zukunft hat. Die staatliche koreanische Behörde für Technologie und Standards untersucht laut der Agentur Yonhap jetzt auch die Sicherheit der mit neuen Akkus ausgestatteten Geräte. Es gebe aber noch keine Entscheidung darüber, ob auch die Ersatzgeräte zurückgerufen werden müssten.

Nach Meinung von Experten ramponiert das Note-7-Drama den Ruf des Weltmarktführers. Fachleute legten Samsung bereits nahe, das Modell ganz einzustampfen. „Sonst kann die Marke einen Schaden nehmen, wie es ihn in der Geschichte von Hightech-Firmen noch nicht gegeben hat“, sagte der Marketing-Experte Eric Schiffer.

Dabei sollte just diese Galaxy-Variante den Erzkonkurrenten Apple ausstechen. Während bei dem US-Konzern zuletzt der iPhone-Absatz sank und die Gewinne wegbrachen, klingelten beim asiatischen Smartphone-Marktführer die Kassen – bis das Note 7 explodierte. Der wirtschaftliche Schaden ist noch nicht absehbar. Bisher wurden die Kosten des Rückrufs für Samsung auf bis zu 1,2 Milliarden Dollar (rund 1,08 Milliarden Euro) geschätzt. Ein mögliches Einstampfen des Gesamtbestandes stand da noch nicht zur Diskussion. Den größten Schaden dürfte ohnehin der Imageverlust für die Marke des Weltmarktführers ausmachen.

Tröstlich für Samsung-Kunden: Andere Smartphones des Konzerns sind von dem Problem wohl nicht betroffen, da der brennbare Akku offenbar nur im neuen Galaxy Note 7 verbaut wurde. Von der Unternehmensstruktur her können die Koreaner eine Pleite wie diese besser verschmerzen als es Apple möglich wäre. Im Gegensatz zum Hauptkonkurrenten aus den USA ist Samsung nicht so abhängig vom Smartphone-Geschäft, sondern verkauft außerdem sehr erfolgreich Fernseher, Hausgeräte, Halbleiter und Bildschirme. Wohl auch deshalb liegt der Börsenkurs nahe am Jahreshoch.