Übernahme

Welche Fragen bei Kaiser’s Tengelmann jetzt noch offen sind

Die Zukunft von Kaiser’s Tengelmann ist weiter ungewiss. Wie geht es nun weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Rettung.

Angestellte von Kaiser's Tengelmann gehen auf dem Weg zu einer Betriebsversammlung des Logistikzentrums in Viersen (Nordrhein-Westfalen).

Angestellte von Kaiser's Tengelmann gehen auf dem Weg zu einer Betriebsversammlung des Logistikzentrums in Viersen (Nordrhein-Westfalen).

Foto: Ina Fassbender / dpa

Mülheim/Ruhr.  Seit mehr als zwei Jahren bangen die noch etwa 15.000 Beschäftigten der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann um ihre Arbeitsplätze. Auch wenn nach dem jüngsten Krisentreffen derzeit Erleichterung vorherrscht, ist noch längst keine Entwarnung in Sicht. Fragen und Antworten zur Situation der angeschlagenen Handelskette.

Welche Fragen sind nach dem jüngsten Spitzentreffen noch offen?

Eigentlich fast alle Fragen. Bei dem Treffen hatten sich die Teilnehmer lediglich auf das Ziel verständigt, mit der Rücknahme der Beschwerden gegen die sogenannte Ministererlaubnis den Weg für die ursprünglich vorgesehene Übernahme durch Edeka frei zu machen. Völlig ungeklärt ist bislang, unter welchen Bedingungen Rewe, Markant und Norma bereit wären, ihre Beschwerden zurückzuziehen.

Worum könnte es dabei gehen?

Spekuliert wird über eine finanzielle Entschädigung oder über mögliche Zugeständnisse. Experten wie Professor Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gehen davon aus, dass eine entsprechende Einigung hinter den Kulissen bereits weitgehend erfolgt sein könnte. Dabei könne es etwa um die Abgabe von Filialen gehen, oder darum, den jeweiligen Konkurrenten bei künftigen Akquisitionsbemühungen in Ruhe zu lassen. „Es kann gut sein, dass wir über die kompensatorische Einigung nie etwas Konkretes erfahren werden“, sagt er.

Warum wollen die Eigentümer Kaiser’s Tengelmann unbedingt verkaufen?

Die Supermarktkette schreibt seit Jahren rote Zahlen. Insgesamt sollen sich die Verluste seit der Jahrtausendwende auf mehr als 500 Millionen Euro summieren. Der Eigentümer – die Unternehmerfamilie Haub – will deshalb einen Schlussstrich ziehen und Kaiser’s Tengelmann komplett an Deutschlands größten Lebensmittelhändler Edeka abgeben.

Wo ist das Problem?

Das Vorhaben stieß von Anfang an auf massive wettbewerbsrechtliche Bedenken, da Edeka schon heute Deutschlands größter Lebensmittelhändler ist und seine Machtposition mit der Übernahme noch ausbauen würde. Zwar hebelte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ein Veto des Bundeskartellamts mit einer Ministererlaubnis aus. Doch hat das Oberlandsgericht Düsseldorf den Vollzug der Ausnahmegenehmigung in einer Eilentscheidung vorläufig gestoppt.

Was bedeutet das für die Fusionspläne?

Sie liegen erst einmal auf Eis. Zwar versuchen Edeka und Tengelmann vor dem Bundesgerichtshof, die Eilentscheidung der Düsseldorfer Richter auszuhebeln. Doch die Aussichten sind ungewiss. Im schlimmsten Fall könnte der Rechtsstreit noch Jahre dauern.

Wie könnte der Weg für die Übernahme durch Edeka schneller frei gemacht werden?

Durch die Rücknahme der Beschwerden. Darüber müsste jedoch eine Einigung mit den drei Unternehmen Rewe, Markant und Norma erzielt werden. Da bei dem jüngsten Spitzentreffen auch Norma eingeladen war, saßen damit zum ersten Mal alle Beteiligten an einem Tisch.

Was würde eine Übernahme von Kaiser’s Tengelmann für den Wettbewerb im deutschen Lebensmitteleinzelhandel bedeuten?

Fachleute wie der Wettbewerbsexperte Professor Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) verweisen auf die Bedenken, die bereits die Monopolkommission vorgetragen hatte. Er befürchtet in diesem Fall negative Konsequenzen für die Verbraucher in einigen lokalen Märkten wie Preiserhöhungen oder Angebotsverschlechterungen. Auch Arbeitsplätze könnten in Gefahr geraten, meint er.

Und wie hat sich die Geschäftslage bei Kaiser’s Tengelmann entwickelt?

Schlecht. Denn die Ungewissheit über die Zukunft bremst das Geschäft. „Wir schrumpfen. Wir verlieren Mitarbeiter jeden Tag. Wir verlieren Läden, weil die Mietverträge nicht verlängert werden können“, klagte Firmenchef Karl-Erivan Haub. Auch der Sprecher der Geschäftsführung von Kaisers’s Tengelmann, Raimund Luig, verweist auf enorme Verluste und sinkende Umsätze. Nach Angaben aus informierten Kreisen sind die Verluste inzwischen auf rund zehn Millionen Euro pro Monat gestiegen. Auch die Kundenzahlen gingen zurück.

Was will Tengelmann-Chef Haub dagegen tun?

Haub will dringend die Notbremse ziehen. „Es kann keine unendliche Geschichte geben“, hat er bereits mehrfach betont. Sollten die Rettungspläne scheitern, droht weiter die Zerschlagung des Unternehmens mit dem Verlust von tausenden von Arbeitsplätzen. (dpa)