Berlin

Totalausfall bei TUIfly

Wegen Krankheitswelle streicht Unternehmen alle Flüge. Erneut trifft es auch zahlreiche Kunden von Air Berlin

Berlin. Es wird eng für die Fluggesellschaften TUIfly und Air Berlin – und ärgerlich für Tausende Fluggäste. Bei TUIfly melden sich immer mehr Crews kurzfristig krank. Am Freitag werden alle Flüge des Unternehmens ausfallen. Schon am Donnerstag waren 47 der 110 vorgesehenen Flüge ersatzlos gestrichen worden. Tausende Passagiere mussten warten oder ihre Urlaubsreise ganz streichen.

Im Sog der Krise gerät auch die angeschlagene Air Berlin in Not. TUIfly habe am Donnerstag keinen einzigen der geplanten 90 Flüge für Air Berlin durchgeführt, sagte ein Air-Berlin-Sprecher. Mithilfe anderer Crews habe man 30 der 90 Flüge anbieten können; 60 Flüge seien ausgefallen. Er sprach von einer „schwierigen, dramatischen Situation vor allem für unsere Fluggäste“. Zudem kämpft das Unternehmen mit einem Vertrauensverlust. Die betroffenen Flüge machen nur vier Prozent aller täglichen Starts aus, der Ärger verbreitet sich aber etwa über soziale Netzwerke sehr schnell.

Air Berlin schloss mit den Gewerkschaften Verdi und Cockpit sowie dem Gesamtbetriebsrat eine Krisenvereinbarung. Darin werden Piloten, Flugbegleiter und Bodenpersonal bis einschließlich Sonntag zu freiwilligen Einsätzen aufgerufen. Zudem versuchte das Unternehmen, alle freien Flugzeuge am Markt einzukaufen.

Um in den nächsten Tagen besser gewappnet zu sein, helfen die Partnerfluggesellschaften von Air Berlins Großaktionär Etihad aus. Allerdings wird auch das nicht reichen, um alle Flüge zu bedienen. Die Krankheitsfälle bei TUIfly belasten Air Berlin, weil 14 der 41-TUIfly-Maschinen an die Berliner vermietet sind. Air Berlin plant sie in seinem Betrieb ein, die Crews werden aber von TUIfly bezahlt.

Grund für die beispiellose Krankheitswelle ist offenbar indirekt der tiefgreifende Umbau der hoch verschuldeten Air Berlin und die damit einhergehenden Veränderungen bei TUIfly. Die deutsche Fluggesellschaft des Touristikkonzerns TUI soll gemeinsam mit einem Teil von Air Berlin zu einem neuen Ferienflieger verbunden werden. Arbeitnehmervertreter fürchten Stellenabbau und schlechtere Tarifbedingungen. Bisher gibt es nur grundsätzliche Gespräche und den Willen, etwas gemeinsam zu machen. Detailgespräche von Etihad, TUI und Air Berlin laufen. Nachgedacht wird darüber, die neue Firma in Österreich anzusiedeln.

Ihre Gäste will TUIfly nicht entschädigen und beruft sich auf höhere Gewalt, die für die Ausfälle und Verspätungen verantwortlich sei. „Entschädigungs- beziehungsweise Schadensersatzansprüche der Kunden entstehen daraus nicht“, meldete TUI Deutschland. „Die massenhaften und äußerst kurzfristigen Krankmeldungen sind ein außergewöhnlicher und nicht vermeidbarer Umstand im Sinne von höherer Gewalt.“

Ganz anders sieht das Philipp Kadelbach vom Flugrechtsportal Flightright. TUIfly könne sich nicht auf höhere Gewalt berufen. Krankheitswellen zählten zu den normalen Betriebsrisiken, die Airlines zu jeder Zeit einkalkulieren müssten. Dies gelte auch bei Zweifeln, ob tatsächlich eine Krankheit vorliege. Er empfehle allen betroffenen Passagieren, ihre Entschädigungsansprüche bei den Fluggesellschaften geltend zu machen.

Die Unternehmen haben nach Einschätzung des Berliner Arbeitsrechtlers Robert von Steinau-Steinrück kaum Möglichkeiten, die Krankmeldungen der Beschäftigten zu hinterfragen oder ihnen gar einen „wilden Streik“ zu unterstellen. Es sei sehr schwierig zu beweisen, dass die Beschäftigten die Krankheit nur vortäuschten. Ärztliche Atteste hätten eine hohe Beweiskraft. Falsche Krankmeldungen erfüllen dem Fachanwalt zufolge allerdings den Straftatbestand des Betruges.