Arbeitsmarkt

„Crowdworker“: Studie zeigt große Nachteile von Microjobbern

Immer mehr Firmen suchen sich im Netz nicht fest angestellte Arbeiter. Die übernehmen damit nicht nur Arbeit – sondern auch das Risiko.

Auch die großen Essens-Lieferservices suchen sich ihre Lieferanten über „Crowdworking“-Plattformen.

Auch die großen Essens-Lieferservices suchen sich ihre Lieferanten über „Crowdworking“-Plattformen.

Foto: imago stock&people / imago/Reporters

Berlin.  Sie gehören längst zum Stadtbild: Die Fahrradkuriere, etwa vom Essenslieferdienst Deliveroo. In ihren Firmen-Shirts, auf den Rücken die Wärmeboxen geschnallt, liefern sie täglich an hungrige Kunden das Abendessen. Der Essenslieferant ist nur ein Beispiel für eine neue Form von Arbeitern, die über digitale Plattformen vermittelt werden. Andere Anbieter heißen Clickworker.com, 99designs oder CrowdFlower. Sie lassen ihre Crowdworker Datensätze prüfen, Produktbeschreibungen erstellen oder Webseiten designen.

Eine Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, die unserer Redaktion vorliegt, hat die „Crowdworking“-Plattformen untersucht. Damit ist die Vermittlung von Kleinstaufträgen an eine Gruppe nicht fest angestellter Arbeiter gemeint, die je nach Auftragslage und zu jeder Tageszeit eingesetzt werden. Das Ergebnis der Studie: Die Arbeiter seien von schlechter Entlohnung und fehlender sozialer Absicherung betroffen.

Arbeiter sind formal selbstständig

Viele der günstigen Dienstleistungen, die über die Plattformen angeboten werden, basierten darauf, dass die Leistungserbringer formal selbstständig sind und daher keine soziale Absicherung genießen und sich selbst vorsorgen müssen, kritisiert Robert Philipps, Leiter für Verbraucherpolitik und Mittelstand bei der Stiftung. „Die neue digital vermittelte Arbeit geht häufig mit einer Prekarisierung und Unterwanderung sozialer und arbeitsrechtlicher Standards einher“, sagt er. Auch das Arbeits- und Sozialrecht würden vielfach entfallen. Kein Kündigungsschutz, kein Urlaubsanspruch und meist eine geringe Bezahlung. Auch die Gewerkschaften beobachten diese Arbeitsformen argwöhnisch.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach betont, die Plattform-Ökonomie mache es Kunden und Dienstleistern leichter, sich zu finden. „Das ist gut für beide Seiten, gibt aber den Plattform-Betreibern nicht das Recht, sich ihrer Verantwortung als Arbeitgeber zu entledigen.“ Für sie müssten dieselben Standards gelten wie für die übrige Wirtschaft. „Wer diese Jobs macht, muss anständig bezahlt werden, braucht geregelte Arbeitszeiten und muss gegen Unfälle abgesichert sein.“

Auftraggeber geben Risiken an Arbeiter ab

Noch ist die neue Arbeitswelt kein Massenphänomen. Aber die Experten der Stiftung prognostizieren, dass Arbeitsformen wie diese „im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung die Zukunft der Arbeit nachhaltig prägen werden“. Diese neue Arbeitswelt habe Vorteile, aber nur, wenn es gelänge die „unternehmerischen Chancen und Risiken sowie die sozialen Kosten gerecht zu verteilen“. Ohne Regulierung sicherten sich die Plattform-Betreiber Chancen, lagerten aber unternehmerische Risiken auf die Auftragnehmer aus und überließen die sozialen Kosten der Gesellschaft, urteilt die Studie. (ast)