Berlin

EZB-Präsident verteidigt Nullzinspolitik

Draghi mahnt Banken zur Anpassung der Geschäftsmodelle

Berlin. EZB-Chef Mario Draghi hat vor Bundestagsabgeordneten die in Deutschland umstrittene Niedrigzinspolitik verteidigt. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gewährleiste Preisstabilität und habe der Gefahr einer neuerlichen „Großen Depression“ entgegengewirkt, sagte Draghi am Mittwoch in Berlin vor Vertretern von Bundestagsausschüssen laut Redemanuskript. „Unsere Maßnahmen greifen: Sie tragen dazu bei, dass sich die Erholung fortsetzt und Arbeitsplätze entstehen; sie sorgen also für einen Aufschwung, von dem letztlich auch die Sparer und Rentner in Deutschland und im Euroraum insgesamt profitieren.“

Draghi betonte, er nehme Bedenken ernst. Aber unterm Strich gehe es Sparern, Arbeitnehmern, Unternehmern, Rentnern und Steuerzahlern im gesamten Eurogebiet – auch in Deutschland – dank der EZB-Maßnahmen besser, „und zwar jetzt und in Zukunft“. In Deutschland komme dies dem Exportgeschäft zugute. Was zudem ein privater Haushalt durch niedrige Zinsen auf Bankguthaben einbüße, spare er vielleicht durch geringere Kreditzahlungen für sein Haus. Für einen Anstieg langfristiger Zinsen seien mehr Investitionen und Strukturreformen nötig – zur Steigerung von Wachstum und Produktivität.

Mit Blick auf Vorwürfe, die Lage einiger deutscher Banken sei auf die Politik der EZB zurückführen, sagte Draghi: „Die Geldpolitik der EZB ist nicht der Hauptfaktor für die geringe Rentabilität der Banken.“. Es werde vergessen, dass viele Institute die sinkenden Zinserträge durch mehr Kredite, einen besseren Schuldendienst und einen geringeren Zinsaufwand ausgleichen könnten. Einige Banken müssten ihre Geschäftsmodelle möglicherweise an das derzeitige Niedrigzinsumfeld anpassen und ihre strukturellen Probleme lösen.