Hamburg

„Der heiße Atem von Amazon ist schon zu spüren“

Hamburg. Eine Jeans jetzt mal mit Schlag, angesagte Wildleder-Stiefeletten oder eine Outdoor-Jacke: Wer auf der Suche nach neuer Herbstgarderobe ist, schaut sich immer häufiger erst einmal im Internet um. 29 Prozent der Kunden stöbern inzwischen in Online-Portalen nach neuen Kleidungsstücken. In der Generation bis 25 Jahre ist es sogar schon mehr als jeder Dritte, wie eine Studie zur Zukunft des Modehandels des Instituts für Handelsforschung (IFH) im Auftrag der HSH Nordbank zeigt. Damit sind Online-Quellen bei den Kunden schon nahezu genauso beliebt wie der Besuch von Einkaufszentren (34 Prozent).

„Der stationäre Handel wird bleiben“, sagt Patrick Miljes, Leiter des Unternehmenskundengeschäfts bei der HSH Nordbank, bei der Vorstellung der Studie am Dienstag. „Aber es gibt einen hohen Veränderungsdruck.“ Denn vor allem die jungen Kunden kaufen online, nachdem sie sich vorher in einem Shopping-Center informiert haben. „Es gibt keine Alternative zum Online-Shop. Wer da nicht mitmacht, ist raus“, sagt IFH-Geschäftsführer Kai Hudetz mit Blick auf den Einzelhandel. Das Kölner Institut hat für die Studie im Mai 2000 Käufer per Internet zu ihren jüngsten Einkäufen befragt.

Der Siegeszug des Online-Handels geht demnach auch im Bereich Mode weiter. Knapp ein Fünftel aller Einkäufe vom Wintermantel bis zur Socke wurden 2014 über das Netz abgewickelt, das entspricht einem Umsatz von zehn bis zwölf Milliarden Euro. Bis 2020 erwartet die Branche eine Steigerung auf 26,5 Prozent. Vor allem die Käufe über ein Mobilgerät nehmen zu. Davon profitieren derzeit vor allem die großen Internethändler, wie Otto und Zalando. Auch Amazon, bislang bei Mode mit einem Marktanteil von unter zwei Prozent vergleichsweise klein, holt laut IFH-Experte Hudez Schwung. „Der heiße Atem von Amazon ist schon zu spüren.“

Weitere Ergebnisse sind: Männer (25 Prozent) legen beim Online-Kauf größeren Wert auf eine umfassende Markenauswahl als Frauen (16). Frauen schätzen dagegen bequeme Retouren mehr (45) als Männer (32). Für 30 Prozent der Frauen ist zudem Beratung ausschlaggebend, aber nur für 16 Prozent der Männer.