Berlin

Lange Arbeitstage, befristete Verträge

Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Der Druck auf Arbeitnehmer steigt. Viele arbeiten am Wochenende

Berlin.  Die Beschäftigten in Deutschland sind im Job zunehmend gefordert. Im vergangenen Jahr arbeiteten Vollzeitbeschäftigte pro Woche im Schnitt 41,4 Stunden, das zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach habe sich die Wochenarbeitszeit in den letzten 20 Jahren um eine halbe Stunde erhöht. Selbstständige arbeiten noch länger: 2015 waren es 49 Stunden pro Woche.

Allerdings sind die Unterschiede zwischen einzelnen Berufsgruppen groß: Jeder achte Beschäftigte ist mehr als 48 Stunden in der Woche im Betrieb. Vor allem Ältere, die Führungspositionen innehaben, sind von längeren Arbeitszeiten betroffen. Das führt auch dazu, dass häufiger abends gearbeitet wird. Mittlerweile ist auch jeder Vierte am Wochenende für den Arbeitgeber im Einsatz. Anfang der Neunzigerjahre waren es nur 15 Prozent. Schuld daran sind vor allem längere Ladenöffnungszeiten.

Kräftig angestiegen ist auch die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse. Von den über 25-Jährigen, die weniger als ein Jahr angestellt sind, hatten 37,5 Prozent einen zeitlich begrenzten Arbeitsvertrag. Vor 20 Jahren lag der Anteil noch bei 30 Prozent.

Angesichts der zunehmenden Belastung ist der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) alarmiert: „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Mehrarbeit und atypische Arbeitszeiten auf einem stabil hohen Niveau sind“, sagt DGB-Vorstand Annelie Buntenbach. Denn die tatsächliche Arbeitszeit liege vier Stunden über der in Tarifverträgen vereinbarten. Die Gewerkschaften fordern daher, die geleistete Arbeitszeit müsse vollständig erfasst und vergütet werden. Flexible Arbeitszeiten dürften nicht zu unbezahlten Überstunden führen.

Die Auswertung der Statistiker zeigt zudem, dass viele Beschäftigte unter hohem Druck stehen. Besonders betroffen sind Montierer und Anlagenbediener. Dreiviertel dieser Berufsangehörigen klagen über ein hohes Arbeitstempo und Zeitdruck. Alle Berufsgruppen betrachtet, berichtet fast jeder zweite von hohen Anforderungen.

„Arbeitnehmer müssen heute sehr viel mehr in sehr viel kürzerer Zeit leisten“, beobachtet Stefanie Wolter vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Dabei wirkt sich der übermäßige Druck auf die Beschäftigten negativ auf das Geschäftsergebnis aus:

Eine Studie des IAB zeigt, dass Unternehmen, die zum Beispiel durch Maßnahmen zur Gesundheitsförderung oder Mitarbeitergesprächen einer Überforderung der Beschäftigten entgegensteuern können. Das Ergebnis: Mehr Engagement und eine höheren Motivation der Belegschaft.

Für die meisten Arbeitnehmer ist das Einkommen nicht das wichtigste Kriterium bei der Bewertung ihres Jobs. Einer Untersuchung im Auftrag des Bundesarbeitsministerium zufolge steht hingegen das sichere Arbeitsverhältnis ganz oben auf der Wunschliste, gefolgt von einer unbefristeten Anstellung. Auch die Zusammenarbeit mit netten Kollegen wünschen sich viele. Ein hohes Gehalt folgt erst auf dem vierten Rang.