Bonn

Kartellamt ermittelt gegen führende Pharmahändler

Unternehmen sollen illegaleAbsprachen getroffen haben

Bonn. Das Bundeskartellamt hat mehrere führende Pharmahändler ins Visier genommen. Der Vorwurf: Verdacht auf wettbewerbswidrige Absprachen. Beamte der Wettbewerbsbehörde und der Kriminalpolizei durchsuchten die Geschäftsräume von insgesamt acht Unternehmen. Laut Kartellamtschef Andreas Mundt stehen die Großhändler im Verdacht, sogenannte Kundenschutzabsprachen getroffen zu haben. Dabei teilten sich die Unternehmen den Markt untereinander auf und vereinbarten, sich gegenseitig keine Kunden abzuwerben, sagte ein Sprecher der Behörde.

Razzien wurden unter anderem bei den Branchengrößen Gehe, Phoenix und Sanacorp vorgenommen. Das Unternehmen sei von der Aktion völlig überrascht worden, sagte etwa ein Sprecher von Sanacorp: „Wir arbeiten in vollem Umfang kooperativ mit den Behörden zusammen.“ Auch Phoenix und Gehe kündigten an, die Untersuchungen vollumfänglich unterstützen zu wollen.

Fünf Branchenriesen teilen sich den Pharmamarkt auf

Der rund 29 Milliarden Euro schwere Markt wird zu rund 90 Prozent von fünf Konzernen kontrolliert. Dazu zählen die Firmen Phoenix, Gehe, Allianz Healthcare, Sanacorp und Noweda. Marktführer ist Phoenix mit etwa 27 Prozent Marktanteil, die Genossenschaft Noweda liegt mit 17 bis 18 Prozent auf Platz zwei. Die zu Celesio gehörende Gehe und die genossenschaftliche Sanacorp liegen bei 15 bis 16 Prozent Marktanteil. Alliance Healthcare Deutschland (früher Anzag) soll bei etwa 14 Prozent liegen. Sie beliefern bundesweit rund 21.000 Apotheken. Hinzu kommt ein Zusammenschluss von acht regional aufgestellten Gesellschaften. Sie haben einen Marktanteil von knapp neun Prozent und beliefern rund 6000 Apotheken.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Bundeskartellamt sich die Branche vornimmt. Vor zehn Jahren hatte die Behörde wegen verbotener Absprachen bei der Belieferung von Apotheken gegen die vier größten deutschen Pharmagroßhändler und sieben Verantwortliche Bußgelder in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro verhängt.