Frankfurt/Main

Deutsche Bank fordert mehr Mut von Mitarbeitern

Konzernchef John Cryan will Unternehmerdenken fördern

Frankfurt/Main. Deutsche-Bank- Chef John Cryan nimmt die Beschäftigten beim Umbau des kriselnden Institutes in die Pflicht. „Wir möchten nicht nur unsere Strukturen verändern, sondern auch die Art, wie wir arbeiten“, schrieb der Brite am Montag in einer Nachricht an die rund 100.000 Mitarbeiter des Institutes. Vorsicht und Hierarchiedenken lähmten Deutschlands größtes Geldhaus, konstatierte Cryan und rief die Mitarbeiter zu mehr Eigenverantwortung auf. „Trauen Sie sich, zu entscheiden, statt auf eine Ansage von oben zu warten.“

Die Deutsche Bank muss sich aus Sicht von Cryan stärker als Technologieunternehmen verstehen. „Wir sollten mutiger sein, wie Unternehmer denken. Das ist nicht allein Sache des Vorstands.“ Gleichzeitig bekräftigte der Vorstandschef, dass er den Umbau der Bank ohne eine Großfusion bewältigen und an der Vermögensverwaltung festhalten wolle. Cryan leitet die Bank seit 1. Juli vergangenen Jahres, seit Mai 2016 allein.

Auf eine mögliche Fusion mit der Commerzbank, die der Deutsche-Bank-Chef nach Brancheninformationen im Sommer mit der Commerzbank-Spitze ausgelotet hatte, ging er in dem Brief nicht direkt ein. Er machte jedoch deutlich, dass eine solche Fusion derzeit nicht weiterverfolgt wird. „Es gibt genug, was wir im Alleingang lösen können. Darauf konzentrieren wir uns jetzt.“

Bei den Verhandlungen mit den Arbeitnehmern über Stellenstreichungen in Deutschland sei man „auf der Zielgerade“, schrieb Cryan. Er will konzernweit 9000 Stellen streichen, davon 4000 hierzulande. Im Juni hatte sich das Institut mit dem Betriebsrat bereits auf die Details zum Abbau von 3000 Stellen verständigt – vor allem in den Filialen. Über die Streichung von rund 1000 weiteren Stellen in Deutschland – etwa in der IT und der Kommunikation – wird seitdem in zwei neuen Verhandlungsrunden debattiert.