Amsterdam/Berlin

Lieferando-Eigentümer strebt an die Börse

Bringdienstvermittler plant Erstnotiz bereits im Herbst

Amsterdam/Berlin. Sie wagen es: Der Berliner Bringdienstvermittler Lieferando wird bald an der Börse notiert sein – allerdings in Amsterdam. Dort an der Euronext ist die Erstnotiz der niederländischen Muttergesellschaft Takeaway.com geplant. Insgesamt könnte der Börsengang bis zu 800 Millionen Euro einbringen, hieß es aus der Branche. Gründer und Chef Jitse Groen sowie die Start-up-Investoren Macquarie Capital und Prime Ventures werden sich von Aktien trennen.

„Takeaway.com ist 2000 auf einem Dachboden in den Niederlanden gegründet worden und ist heute führend unter den Onlinelieferdiensten auf dem europäischen Kontinent“, sagte Gründer und Chef Jitse Groen. Nun gehe es um die Finanzierung der nächsten Wachstumsschritte.

Die Lieferando-Mutter kommt damit dem Rivalen Delivery Hero (Lieferheld) zuvor, an dem der Berliner Unternehmensentwickler Rocket Internet beteiligt ist. Delivery Hero hatte bereits vor einigen Jahren einen Börsengang angekündigt, dann aber zugunsten von weiterem Wachstum aus eigener Kraft ausgesetzt. Inzwischen denkt das Unternehmen wieder daran. Firmenchef Niklas Ösberg zumindest erklärte kürzlich, Delivery Hero sei reif für die Börse. Investmentbanken sind bereits beauftragt. Experten erwarten allerdings, dass das Unternehmen erst im kommenden Jahr an die Börse geht.

Jörg Gerbig hatte Lieferando 2009 in Berlin gegründet, seit 2012 gehört das Unternehmen zu Takeaway.com. Gerbig leitet seither das operative Geschäft des Konzerns.

Über die verschiedenen Internetseiten von Takeaway.com können Kunden Essen in mehr als 30.000 angeschlossenen Restaurants bestellen. Die Restaurants liefern die Speisen selbst, Takeaway.com vermittelt nur und bekommt dafür eine Gebühr. 2015 wickelte das Unternehmen europaweit 33,7 Millionen Bestellungen von 6,8 Millionen Kunden für insgesamt 651 Millionen Euro ab. Takeaway.com selbst setzte damit 76,7 Millionen Euro um. Von Januar bis Juni 2016 waren es 50,5 Millionen Euro.

Das Unternehmen schreibt insgesamt rote Zahlen. Im vergangenen Jahr betrug der Verlust rund 19,6 Millionen Euro – unter anderem wegen des starken Wettbewerbs mit Delivery Hero in Deutschland. Das Kerngeschäft in den Niederlanden ist aber profitabel.

Aus Großbritannien, wo der Rivale Just Eat bereits an der Börse gelistet ist, hat sich Takeaway.com vor kurzem zurückgezogen, im Gegenzug aber das Geschäft von Just Eat in den Niederlanden und Belgien für 22,5 Millionen Euro übernommen. Der Zukauf soll ebenso mit dem Erlös aus dem Börsengang finanziert werden wie der Ausbau der Marktposition in Deutschland. Zudem sollen alle Schulden des Unternehmens getilgt werden.