Wirtschaft

Deutsche Bank sucht Gründer-Spirit

Das Geldinstitut startet eine Partnerschaft mit dem Berliner Start-up-Campus Factory.

Die Deutsche Bank will ihre Firmenkunden mit der Berliner Gründerszene vernetzen. Dazu gab sie jetzt eine neue Kooperation mit dem Start-up-Campus Factory Berlin bekannt. Harald Eisenach, der Sprecher der regionalen Geschäftsleitung der Bank, zeigte sich geradezu euphorisch: „Unser neuer Standort in der Factory wird uns ganz nah an Berlins innovatives Kraftzentrum heranrücken – und dabei wollen wir möglichst viele unserer Firmenkunden mitnehmen.“ Eisenach will die etablierte und die neue Wirtschaft vernetzen. Experten der Bank sollen in der Factory stationiert werden und den Firmenkunden beratend zur Seite stehen.

Die Deutsche Bank öffnet mit diesem Projekt eine neue Linie ihrer Annäherung an die Welt der Digitalwirtschaft. In ihrer Flagship-Filiale Q110 an der Friedrichstraße testete sie in den vergangenen zehn Jahren, wie eine Bankgeschäftsstelle der Zukunft aussehen könnte. Sie ist zur Zeit geschlossen und soll demnächst nach einer Renovierung als „Quartier Zukunft“ wieder eröffnet werden. Ferner betreibt die Deutsche Bank am Hackeschen Markt ein Innovations-Lab. Ferner arbeitet die Bank mit zehn digitalen Finanzdienstleistern (FinTechs) zusammen. Als weitere wegweisende Projekte bezeichnete Eisenach das neue Beratungscenter am Zoo und das internationale Risikozentrum der Bank, das am Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg entsteht. Insgesamt investiert die Bank bis zum Jahr 2020 rund 750 Millionen Euro in die Digitalisierung.

Ähnlich positiv wie Eisenach äußert sich auch Stefan Bender, der Leiter des Firmenkundengeschäfts der Bank in Deutschland: „Wir wollen Brückenbauer zwischen Mittelstand und Start-up-Community sein“, sagte er in Berlin. Binder verwies auf die 150 Jahre währende Geschichte des Geldhauses als Dienstleister für Firmenkunden. „Die Art, wie Unternehmen wachsen, hat sich verändert. Sie verfolgen andere Geschäftsmodelle“, sagte er mit Blick auf Start-ups. Bender will die Traditionskunden dabei unterstützen, diese Geschäftsmodelle zu verstehen: Firmenkunden sollen mit diesem Wissen lernen, wie sie ihre eigenen Modelle umstellen können. „Ihnen fehlen die Einstiegspunkte in die digitale Welt.“

Es geht aber nicht nur darum, analoge Mittelständler Start-up-Luft schnuppern zu lassen. Die Deutsche Bank will auch umgekehrt mehr Geschäfte mit Gründern und jungen Unternehmen machen – Startups@Germany heißt die in Berlin gestartete Kampagne, bei der sich Experten aus allen Bereichen der Bank um Gründer-Kunden bemühen. Start-ups sind eine wichtige Zielgruppe. Schon heute sind in Deutschland rund 4000 dieser Gründer Kunden der Bank. Bis zum Jahr 2020 strebt die Bank beim Geschäft mit Start-ups einen Marktanteil von 50 Prozent an. Sie will ihnen bei der Beschaffung öffentlicher Fördermittel helfen und Gründern die Türen zum eigenen Netzwerk oder zu möglichen Kapitalgebern öffnen und die jungen Unternehmen auch beim Gang an den Kapitalmarkt unterstützen.

Für Udo Schlömer, Geschäftsführer der Factory, ist die Kooperation mit der Deutschen Bank eine „Traumhochzeit“. Er verfolgt seit einigen Monaten zusammen mit seinem Chefstrategen Thomas Andrae das Geschäftsmodell eines „Business Club“, indem er die Factory zur Plattform für Digitalisierungs-Prozesse zu öffnet und damit Innovationen in der Wirtschaft vorantreibt. Mittelständische Unternehmen und Konzerne können sich für mindestens 120.000 Euro als Mitglieder in diesen Club einkaufen, dem unter anderem bereits Uber, Twitter, Pinterest und Soundcloud angehören. Start-ups können sich um Mitgliedschaften bewerben, zahlen 50 Euro im Monat.

Daneben pflegt die Factory Partnerschaften mit großen Unternehmen – wie jetzt der Deutschen Bank. Auch die Gründerinitiative Google for Entrepreneurs gehört zu diesem Kreis, der Cloud-Dienstleister Digital Ocean, der Lebensmittel-Dienstleister Gemüsering und der Pharma-Konzern Takeda.