IFA

2,5 Millionen Telekom-Kunden bekommen TV gratis aufs Handy

| Lesedauer: 5 Minuten
Björn Hartmann
Demnächst per Telekom-App mobil auf Smartphone und Tablet zu sehen: „Wer wird Millionär“ bei RTL, die „Tagesschau“ der ARD, Bundesliga bei Sky oder „The Big Bang Theory“ auf Prosieben.

Demnächst per Telekom-App mobil auf Smartphone und Tablet zu sehen: „Wer wird Millionär“ bei RTL, die „Tagesschau“ der ARD, Bundesliga bei Sky oder „The Big Bang Theory“ auf Prosieben.

Foto: istock, RTL, NDR, imago, CBS

Die Deutsche Telekom startet ein umfangreiches mobiles Fernsehangebot. Der Bezahlsender Sky und Kinofilme sind auch dabei.

Bonn.  Niek Jan van Damme springt auf, nimmt sein Smartphone, tippt los: „Sie starten die App, dann wählen Sie den TV-Sender, den Sie sehen wollen. Sie können auch die Sendung aufnehmen. Hier. Festplattenrekorder oder in der Cloud.“

Was der Deutschland-Chef der Deutschen Telekom in seinem Büro in Bonn begeistert vorführt, werden bald mehrere Millionen Kunden des Konzerns kostenlos nutzen können: Fernsehen auf ihren Mobilgeräten – egal, ob Smartphone oder Tablet und vor allem überall. Das gibt es in dieser Form noch nicht in Deutschland. Das Angebot will die Deutsche Telekom auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin vorstellen.

Telekom spürt Trend: „Fernsehen anders erleben“

Der Konzern folgt damit einem Trend. „Wir sehen, dass da immer mehr Interesse ist, Fernsehen anders zu erleben“, sagt van Damme. Das sei nicht mehr so traditionell wie früher. Der Kunde schaue nicht mehr nur zu Hause am Fernseher Sendungen, sondern am Computer und vor allem gern auch unterwegs, etwa im Auto. Der Markt entwickle sich weg vom klassischen Fernsehen hin zu anderen Angeboten. „Wir bieten unseren Kunden deshalb auch alles, was man im Fernsehen schauen kann.“

Also nicht nur die klassischen öffentlich–rechtlichen Sender und die privaten Kanäle. Van Damme nennt den Bezahlsender Sky, Streamingdienste wie Maxdome und bald auch Netflix sowie Kinofilme auf Abruf, sogenanntes Video-on-Demand. Diese Angebote kosten zum Teil zusätzlich, sind aber bereits länger über das Telekom-Fernsehangebot zu erhalten, nur eben bisher nicht mobil.

Kostenlos für zunächst 2,5 Millionen Telekom-Kunden

Das neue Mobilpaket bekommen erst einmal 2,5 Millionen Telekom-Kunden kostenlos, alle, die bereits den Magenta-1-Tarif gebucht haben, eine Kombination aus Mobilfunk und Festnetzvertrag nebst „Entertain“, bei dem man über einen sogenannten Media Receiver mit Festplattenrekorder Fernsehen über das Festnetz sehen kann.

Alle anderen Fernsehkunden der Telekom können das Mobilangebot dazubuchen. Und ganz nebenbei, verspricht van Damme, werde das Smartphone zu Hause gleich zur Fernbedienung.

„Jeder kann sich bei uns dazuschalten“

Eigene Fernsehangebote will der Telekom-Deutschland-Chef nicht ausschließen. „Das machen wir aber nur, wenn es sich rechnet.“ Derzeit konzentriert sich der Konzern lieber auf die sogenannte Plattformstrategie. Das bedeutet: Die Telekom liefert das Netz zur Verbreitung der Daten und eine Anwendung wie zum Beispiel beim Fernsehen. Nutzen können sie dann verschiedene Anbieter, die sonst vielleicht sogar konkurrieren. „Wir denken inzwischen grundsätzlich in offenen Plattformwelten“, sagt van Damme. „Jeder kann sich bei uns dazuschalten.“

Mit Problemen im eigenen Mobilfunknetz, etwa wenn sehr viele Kunden gleichzeitig einen Fernsehspielfilm mobil ansehen, rechnet van Damme nicht. Die Bandbreiten reichten noch. Mit der jetzigen Mobilfunkgeneration 4G und dem LTE-Ausbau sei Fernsehen über das Funknetz kein Problem. Allerdings komme es vereinzelt an seine Grenzen, etwa in großen Städten, wo viele Menschen auf engem Raum Smartphones nutzten, etwa im Fußballstadion.

360-Grad-Ansichten beim Leichtathletiksportfest in Berlin

Dennoch arbeitet die Telekom bereits an der 4G-Nachfolgegeneration, 5G genannt. Denn künftig werden deutlich größere Datenmengen per Mobilfunk übertragen werden. Vielleicht nicht unbedingt für Privatnutzer, auch wenn das Mobiltelefon im Alltag immer wichtiger wird. Besonders die Industrie braucht schnelle und vor allem weitgehend verzögerungsfreie Übertragung. Zum Beispiel für das fahrerlose Auto, das in Echtzeit Daten sendet und entsprechend mit Daten versorgt werden muss.

So ist die Telekom auch am Test für autonomes Fahren auf der Autobahn 9 zwischen Berlin und München beteiligt. Für Privatanwender wird 5G in Berlin getestet. Was möglich ist, will die Telekom gemeinsam mit dem Netzwerkunternehmen Nokia zum Beispiel beim Internationalen Leichtathletik Sportfest Istaf Anfang September in Berlin zeigen: Es werden 360-Grad-Aufnahmen der Sportereignisse in Echtzeit übertragen, unter anderem auf Virtual-Reality-Brillen und Tablet-Rechner.

Wettlauf der Asiaten zum Start der neuen 5G-Generation

Möglicherweise wird auch der Sport dazu führen, dass 5G bis 2020 auf den Markt kommt. Dann sind Olympische Spiele in Tokio. Und vor allem die asiatischen Telekommunikationskonzerne haben ein Interesse, dann mit Anwendungen auf dem Markt zu sein. „Japan, China, Südkorea – da gibt es geradezu einen Wettlauf, als erste mit Anwendungen auf dem Markt zu sein“, sagt van Damme. Anders als in der Vergangenheit bemühen sich große Telekomanbieter weltweit derzeit um eine einheitliche Netzwerktechnologie bei 5G. So arbeitet die Telekom etwa mit AT&T (USA), China Mobile und SK Telecom aus Südkorea zusammen.

Eine Plattformstrategie wie beim Fernsehangebot fährt die Telekom inzwischen auch beim Thema Smart-Home, dem vernetzten Zuhause. Seit Jahren wird es als großer Zukunftsmarkt gefeiert, ist aber noch nicht richtig zum Massenmarkt geworden. Die Telekom hat rund 50.000 Kunden, ordentlich findet van Damme, es könnten aber deutlich mehr sein.

Telekom öffnet eigenes Smart-Home-Angebot für Konkurrenz

Ein großes Problem: Viele Hersteller haben eigene Lösungen entwickelt, die sich untereinander nicht verstehen. Die neue Telekom-Hardware kann alle bekannten Datenprotokolle verarbeiten, Geräte anderer Anbieter lassen sich so einbinden. Auch andere Unternehmen wie die Energieriesen Eon und RWE, die Gerätehersteller wie Miele und BSH sowie US-Konzerne wie Apple und Google drängen in den lukrativen Markt.