Wolfsburg

Zehntausende spüren VW-Krise im eigenen Geldbeutel

Wegen wegbrechender Steuern heben Städte die Gebühren an

Wolfsburg. Die Folgen des Diesel-Skandals bei Volkswagen kommen für Zehntausende Bürger an VW-Standorten im eigenen Geldbeutel an. Wegen der oft massiv einbrechenden Gewerbesteuern drehen betroffene Städte teils heftig an ihren Gebührenschrauben, wie eine bundesweite Umfrage ergab. Der Alltag für viele Bürger wird merklich teurer.

Von der Hafenstadt Emden (dort baut VW den Passat) bis ins kleine Weissach in Baden-Württemberg (da forscht die Konzerntochter Porsche) steigen Gebühren. Die Beispielliste für die Sparbemühungen ist lang. Sie reicht von höheren Kosten bei Kinderbetreuung, Parken, Gräbern, Bädern oder der Hundesteuer über gestrichene Stellen in der Verwaltung bis hin zu Einschnitten in der Kulturförderung. Und: Ein Ende dieser Belastungen ist mehr als ungewiss.

Die wegbrechenden Gewerbesteuern haben viele Facetten. Sie treffen die VW-Konzern-Städte unterschiedlich hart. Grundsätzlich gilt: Je kleiner der Standort und je VW-abhängiger er ist, desto dramatischer sind die Ausschläge. So verklagte die Stadt Wolfsburg 2015 einen rund 80-prozentigen Einbruch bei den Netto-Gewerbesteuereinzahlungen – das ist der Teil, der nach einer Umlage bei den Gemeinden verbleibt. Statt 253 Millionen Euro wie 2014 blieben nun keine 52 Millionen Euro mehr übrig. In Wolfsburg schlägt das Herz des Konzerns; die Stadt beherbergt mit dem Stammwerk die weltgrößte Autofabrik, plus Zulieferer. Auch weitere VW-Städte leiden. Die Netto-Gewerbesteuern 2015 sanken in Salzgitter um ein Drittel, in Osnabrück um 22 Prozent und in Braunschweig um 13 Prozent. Und das sind nur Beispiele aus Niedersachsen.

Zu seinen Gewerbesteuerzahlungen macht VW keine Angaben. Es sei aber Fakt, dass sie rückläufig sind, heißt es aus dem Konzern. Grobe Anhaltspunkte gibt die Bilanz: 2014 flossen gut zwei Milliarden Euro „tatsächlicher Steueraufwand Inland“. Für 2015, als die Krise im Spätsommer losbrach, sind es nur noch rund 800 Millionen Euro.