Umweltsünder

Umweltschützer: Kein einziges Kreuzfahrtschiff zu empfehlen

Der Naturschutzbund wirft Kreuzfahrtreedereien vor, zu wenig für den Umweltschutz zu tun. Außerdem mache der Verband falsche Angaben.

Die „Aida Prima“ schneidet im Umwelt-Ranking noch am besten ab. Ältere Schiffe der Reederei stehen jedoch am unteren Ende der Rangliste.

Die „Aida Prima“ schneidet im Umwelt-Ranking noch am besten ab. Ältere Schiffe der Reederei stehen jedoch am unteren Ende der Rangliste.

Foto: Michael Rauhe

Hamburg.  Die europäischen Kreuzfahrtschiffe sind nach einem Ranking des Naturschutzbundes (Nabu) überwiegend Dreckschleudern. Von den 55 untersuchten Kreuzfahrtschiffen hatten nur elf eine Technik zur Abgasentgiftung, die über die gesetzlichen Bestimmungen hinausging. Unter Umweltaspekten sei kein einziges Kreuzfahrtschiff empfehlenswert, kritisierte der Nabu-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger am Montag in Hamburg. Beklagt wurde vom Nabu zudem, dass die Öffentlichkeit durch den Kreuzfahrt-Dachverband CLIA gezielt falsch informiert werde. Aida und Tui Cruises wiesen die Vorwürfe zurück.

Vor einem Jahr zeigte sich der Nabu noch sehr viel optimistischer, als er in sein Ranking die Umwelttechnik der in Auftrag gegebenen Schiffe mit einbezog. Der Nabu sei bei seiner Voraussage „auf die Nase gefallen“, räumte Oeliger ein. Anspruch und Wirklichkeit in der Kreuzfahrt-Branche würden weit auseinanderklaffen. Die angekündigte Abgasreinigung der im Mai getauften AIDAprima sei immer noch nicht im Einsatz.

„Queen Mary 2“ weit hinten im Ranking

Am besten schnitt im Ranking dennoch die „Aida Prima“ ab, gefolgt von der „Europa“ (Hapag-Lloyd), der Flotte „Mein Schiff“ (Tui) und den Schwesterschiffen „Diadema“ und „Fascinosa“ (Costa). Luxus-Liner wie die „Queen Mary 2“ und die „Queen Elisabeth“ (Cunard) oder die älteren Schiffe von Aida und „Mein Schiff“ bekamen dagegen die „Rote Schiffsschraube“.

Die „Aida Prima“ verfüge über ein umfassendes System zur Abgasreinigung, das allerdings noch auf die Zulassung warte, entgegnete Aida-Sprecher Hansjörg Kunze. Die „Aida Prima“ werde als erstes Kreuzfahrtschiff in vier europäischen Häfen nahezu emissionsfrei mit Flüssiggas (LNG) betrieben. Kunze: „Insofern sind wir die falschen Adressaten für die Vorwürfe des Nabu.“

100 Mal mehr Schadstoffe als Lkw-Diesel

Tui Cruises zeigte sich mit dem Ergebnis ihrer Schiffe zufrieden. Die Kombination aus Abgaswäscher („Scrubber“) und Katalysator senke den Schwefelausstoß um 99 Prozent und der Stickoxide um 75 Prozent. Tui Cruises setze diese Technik auch außerhalb der Regionen mit verschärften Abgasvorschriften („SECAs“) ein. Kritisiert wurde allerdings, dass der Nabu Treibstoffeinsparungen sowie das Abfall- und Abwassermanagement nicht berücksichtigt habe.

Alle Kreuzfahrtschiffe fahren nach Nabu-Angaben noch mit Schweröl, das etwa 100 Mal mehr Schadstoffe produziert als handelsüblicher Lkw-Diesel. In Hamburg beispielsweise stammten 38 Prozent der Stickoxide und 19 Prozent des Feinstaubs in der Stadt von der Seeschifffahrt. Die „Aida Prima“ fahre ausschließlich mit schwefelarmem Marinediesel, hielt Aida-Sprecher Kunze dagegen. Zudem würden die Messergebnisse des Nabu nicht mit den Ergebnissen der amtlichen Messstationen übereinstimmen. Kein einziges der beurteilten Kreuzfahrtschiffe fährt im übrigen unter deutscher Flagge.

Dachverband wirbt mit falschen Infos

Die „Aida Sol“ ist bislang das einzige Kreuzfahrtschiff, das im Hamburger Hafen Landstrom nutzt. Die rund zehn Millionen Euro teure Anlage wurde im Juni mit einjähriger Verspätung eröffnet. Der an Bord produzierte Strom koste derzeit angesichts des günstigen Ölpreises nur ein Viertel des Landstroms, beklagte Malte Siegert, Umweltexperte des Nabu Hamburg.

Der Dachverband CLIA hatte in einem Schreiben an den Nabu behauptet, dass bereits 23 Schiffe über Rußpartikelfilter verfügten. Auf Nachfrage habe der Verband jedoch kein einziges benennen können, kritisierte Oeliger. Auch Royal Caribean habe behauptet, zwölf Schiffe seien mit Rußpartikelfilter im Einsatz. Tatsächlich fahre kein einziges mit dieser Technik. (epd)