Wolfsburg

Auch Piëch beschäftigten überhöhte VW-Abgaswerte

Wolfsburg. In der VW-Abgasaffäre kommen interessante Einzelheiten ans Licht – diesmal aus der Führungsspitze. Im März 2015 will Ferdinand Piëch, damals VW-Aufsichtsratschef, auf dem Genfer Autosalon Martin Winterkorn, damals VW-Chef, auf US-Ermittlungen wegen überhöhter VW-Abgaswerte angesprochen haben. Das habe Piëch Ermittlern der US-Kanzlei Jones Day gesagt, berichtet die „Bild am Sonntag“ ohne Angabe von Quellen. Demnach versicherte Winterkorn Piëch, „er habe die Sache im Griff“. Unklar ist, ob Winterkorn da bereits von illegalen Manipulationen wusste. Unklar ist auch, ob Piëch das Thema weiterverfolgt hat.

Die Ermittler versuchen herauszufinden, wer in der Führungsebene des Konzerns wann etwas über die Manipulation der Dieselmotoren wusste. Die Affäre flog am 18. September 2015 auf, als die Umweltbehörden von Kalifornien und der USA den Fall veröffentlichten. Da gab es bereits mehr als ein Jahr lang Gespräche mit VW über das Thema. Winterkorn trat am 23. September wegen des Skandals zurück, obwohl er nach eigenem Bekunden und auch nach Aussage des Aufsichtsratspräsidiums keine Kenntnis von den illegalen Manipulationen hatte. Betroffen sind weltweit elf Millionen Autos.

Piëch und Winterkorn äußerten sich nicht zu dem Bericht. Ein Volkswagen-Sprecher nannte ihn „Spekulationen“, die man nicht kommentieren wolle. Er verwies auf laufende Untersuchungen. VW hat Jones Day mit internen Ermittlungen beauftragt. Ergebnisse sollen im vierten Quartal 2016 bekanntgegeben werden.

Im VW-Umfeld ist zu hören, im März 2015 sei die Betrugssoftware noch kein Thema gewesen. Aus dem Umfeld des VW-Aufsichtsrates heißt es, bisher lägen keine konkreten Hinweise auf eine Mitschuld früherer oder amtierender Vorstandsmitglieder vor. Fraglich ist aber, inwieweit Winterkorn vor September 2015 die ganze Dimension der Abgasungereimtheiten hätte erahnen können oder womöglich erkennen müssen.