Berlin

Wissenschaftler warnen vor Gefahren durch Autohacker

IT-Sicherheitslücken könnten Zahl der Rückrufe erhöhen

Berlin. Defekte Airbags, fehlerhafte Türschlösser, Gurtmängel, Tankprobleme: Auch in diesem Jahr müssen die Autohersteller Millionen von Autos in die Werkstätten rufen, um sie zu reparieren. Künftig könnten zu solch „klassischen“ Fehlern auch Softwarerisiken gehören. Die Gefahr wird bisher unterschätzt, wie eine Studie des CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen zeigt.

Im Gesamtjahr 2016 werden demzufolge mehr als 60 Millionen weltweit in die Werkstätten gerufen. Darunter sind allein mehr als 40 Millionen Fahrzeuge verschiedener Hersteller, in die defekte Airbags des japanischen Zulieferers Takata eingebaut sind. Dazu kommen die rund elf Millionen Dieselautos von VW, in der eine Schummelsoftware die Abgase manipuliert. Bei 3,4 Millionen Fahrzeugen von Toyota gibt es Probleme mit den Tanks und Airbags, Fiat Chrysler machen Elektronik, Schlösser und Kupplung bei 2,1 Millionen Autos zu schaffen.

Die Rückrufquote, das Verhältnis von zurückgerufenen Fahrzeugen zu neu verkauften, wird Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR, zufolge in diesem Jahr etwa 75 Prozent betragen – weniger als im vergangenen Jahr, als wegen der Takata-Airbags allein in den USA mehr als 51 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten mussten. In Deutschland beträgt die Quote im ersten Halbjahr 50 Prozent – 850.000 Fahrzeuge mussten repariert werden, 1,73 Millionen wurden neu zugelassen. Die Quote ist ähnlich hoch wie 2015 (51 Prozent).

Vernetzte Autos werden angreifbar von außen

Dudenhöffer vermutet, dass sich die Zahl der Rückrufe zunächst verringern wird. Das Takata-Desaster mit mehr als 100 Millionen betroffenen Fahrzeugen ist demzufolge weitgehend abgearbeitet, ein ähnliches Problem bei einem wichtigen Zuliefererteil bisher nicht bekannt. Allerdings gibt es dem CAR-Leiter zufolge Unwägbarkeiten. Gefahren sieht Dudenhöffer vor allem bei der IT-Sicherheit der Fahrzeuge – „ein schlummerndes Rückruf-Problem“. Die Autos würden immer stärker vernetzt, nutzten das Internet und würden dadurch potenziell angreifbar – für die Autobauer ein ganz neues Feld.

Offensichtlich wurden die Gefahren im Juli 2015. Damals kaperten zwei Hacker von ihrem Wohnzimmer aus einen Jeep Cherokee, der fuhr. Fiat musste in 1,4 Millionen Autos ein Sicherheitsupdate aufspielen. Die Vernetzung wird noch zunehmen, weil viele Hersteller etwa am autonomen Fahren arbeiten. Dafür braucht das Auto Daten von außen, etwa Wetter- und Verkehrsinformationen. Autos würden verwundbarer gegen Datenangriffe, befindet Dudenhöffer und fordert, die Hersteller müssten die Software der Fahrzeuge regelmäßig zu aktualisieren. Einzig der US-Elektroautohersteller Tesla, heißt es, verschicke bisher Updates über das Internet.