Cupertino

Apples Milliarden-Macher

Seit fünf Jahren führt Tim Cook den Konzern. Die Zahlen stimmen, die Vision fehlt

Cupertino. Es ist kein guter Tag für Technikfans weltweit. Steve Jobs beugt sich seiner Krebserkrankung und übergibt den Chefposten bei Apple an Tim Cook. Der hat Jobs zuvor schon bei Krankheitsabwesenheiten vertreten und kennt als Zuständiger für das operative Geschäft das Unternehmen in- und auswendig. Aber ist er visionär wie Jobs? Viele Marktbeobachter zweifeln an jenem 24. August 2011. Immerhin hat Jobs mit einer Erfolgsserie aus iMac, iPod, iPhone und iPad ganze Branchen umgepflügt.

Fünf Jahre später sitzt Apple auf einem Geldberg von gut 230 Milliarden Dollar (203 Milliarden Euro). Im Weihnachtsgeschäft 2015 erzielte der Konzern mit 18,4 Milliarden Dollar den höchsten Quartalsgewinn der Geschichte. Das iPhone wurde zum wichtigsten Apple-Produkt und brachte zeitweise mehr als zwei Drittel des Konzerngeschäfts ein. Doch als in diesem Jahr die Anziehungskraft der iPhones nachließ, belastete das.

In Cooks Amtszeit stieß Apple bisher nur in eine neue Produktkategorie vor. Die im April 2015 gestartete Apple Watch eroberte aus dem Stand die Marktführung bei Computeruhren. Doch Verbraucher zögern noch, die steile Erfolgskurve, die viele von Apple bei einem neuen Produkt erwarten, fehlt.

Cook stellt mehr in Aussicht. „Wir haben die Ausgaben für Forschung und Entwicklung hochgefahren, weil wir massiv in die Zukunft investieren.“ Die Tech-Welt hat sich enorm verändert. Heute spielen künstliche Intelligenz und selbstlernende Maschinen eine zentrale Rolle. Die Konkurrenten heißen jetzt Google, Facebook, Amazon.

Cook muss Apple in dieser neuen Welt den Platz sichern. Er kaufte den Kopfhöreranbieter Beats, um schneller ins Geschäft mit Musikstreaming aus dem Netz zu kommen. Er betont die Anstrengungen des Konzerns bei künstlicher Intelligenz, etwa mit der Sprachassistentin Siri. Er investierte in den chinesischen Fahrdienstvermittler Didi Chuxing – und es gibt Gerüchte, Apple baue ein Auto.

Das Apple von Tim Cook ist in vielem anders als das von Steve Jobs. Der Gründer beschränkte die Außendarstellung gern auf Produktkommunikation. Cook stellt Umweltschutz in den Vordergrund. Er trug öffentlich einen Konflikt mit der US-Regierung aus, indem Apple sich weigerte, Software zum Entsperren von iPhones zu schreiben.

Anders als Jobs schüttet Cook auch Geld an die Aktionäre aus, über 150 Milliarden Dollar durch Dividenden und Aktienrückkäufe. Der Kurs des Apple-Papiers verdoppelte sich, Apple ist weiterhin das teuerste Unternehmen der Welt vor Google. Für eine Bewertung der Ära Cook scheint es unterdessen noch zu früh. „Ich denke, die Weisheit und das Erbe von Tim Cook werden danach bewertet werden, was in den nächsten fünf Jahren passiert“, betont der bekannte Branchenanalyst Gene Munster.