Abgasskandal

Volkswagen verhandelt in den USA über Milliardenstrafe

VW-Vertreter haben mit US-Beamten gesprochen, um die Abgas-Ermittlungen beizulegen. Es drohen wohl über 1,2 Milliarden Dollar Strafe.

VW droht in den USA die nächste Milliardenbuße: Als zivilrechtliche Wiedergutmachung musste der Autobauer bereits 15,3 Milliarden Euro zahlen.

VW droht in den USA die nächste Milliardenbuße: Als zivilrechtliche Wiedergutmachung musste der Autobauer bereits 15,3 Milliarden Euro zahlen.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Washington/Hamburg.  Volkswagen geht in den USA die nächste Hürde zur Beilegung des Abgasskandals an. Nach dem milliardenschweren Vergleich zur Entschädigung der Kunden für manipulierte Dieselmotoren führten die Wolfsburger nun erste Gespräche über mögliche Strafzahlungen, wie zwei mit dem Vorgang vertraute Personen sagten. Vertreter von VW hätten in Washington mit Beamten des Justizministeriums über eine Beilegung der strafrechtlichen Ermittlungen verhandelt. Das „Wall Street Journal“ berichtete, dem deutschen Autobauer könne eine Strafe von mehr als 1,2 Milliarden Dollar (1,07 Milliarden Euro) aufgebrummt werden.

Volkswagen äußerte sich nicht zu einer möglichen Strafe. Der Konzern sei bestrebt, das Vertrauen der Kunden, Händler, Aufsichtsbehörden und der amerikanischen Öffentlichkeit zurückzugewinnen, hieß es nur. VW kooperiere mit den Behörden. Die Gespräche würden fortgesetzt, um noch offene Fragen zu klären.

Wird VW unter Aufsicht gestellt?

Analysten halten es für wahrscheinlich, dass Volkswagen für seine Manipulation der Abgaswerte von Dieselmotoren in den USA eine Rekordstrafe leisten muss. „Es ist zu erwarten, dass sie über dem liegt, was Toyota bezahlen musste“, sagte Frank Schwope von der NordLB. Der japanische Weltmarktführer Toyota hatte für klemmende Gaspedale die bisher höchste Strafe eines Autobauers in den USA von 1,2 Milliarden Dollar geleistet. Branchenexperte Arndt Ellinghorst von Evercore ISI geht von einer Strafe für VW zwischen einer und drei Milliarden Euro aus.

Eine Beilegung der strafrechtlichen Ermittlungen könnte mit einer nach US-Recht möglichen Konsensvereinbarung ohne Schuldeingeständnis erreicht werden. Ein solcher Kompromiss könne neben einer empfindlichen Strafe auch eine Überwachung des Konzerns durch einen unabhängigen Gutachter beinhalten. Das US-Justizministerium lehnte einen Kommentar ab.

Zivilrechtlich wurde es für VW bereits teuer

Der Skandal um jahrelang manipulierte Abgaswerte bei Diesel-Fahrzeugen war in den USA aufgeflogen. Der Ende Juni mit den US-Behörden erzielte Kompromiss über den Rückkauf oder die Reparatur von 475.000 Dieselautos mit 2,0-Liter-Motoren sowie Investitionen in Umweltfonds deckt den zivilrechtlichen Teil des Streits ab. Es ist mit bis zu 15,3 Milliarden Dollar (13,7 Milliarden Euro) bereits die höchste je von einem Autobauer in den USA geleistete Wiedergutmachung. Gemessen daran gehen Experten davon aus, dass auch die Beilegung der strafrechtlichen Ermittlungen für VW teuer werden dürfte.

Volkswagen hatte seine Rückstellungen wegen weiterer rechtlicher Risiken im Zusammenhang mit dem Abgasskandal jüngst um 1,6 Milliarden Euro auf 17,8 Milliarden aufgestockt. Davon wird ein großer Teil von dem Vergleich mit Behörden und Hunderten Privatklägern in den USA verschlungen, für den das Bezirksgericht in San Francisco jüngst vorläufig grünes Licht gegeben hat. (rtr)