Medienbericht

Zusatzbeiträge zur Krankenkasse könnten sich verdoppeln

Das deutsche Gesundheitswesen wird immer teurer – zu Lasten der Versicherten. Bis 2020 sollen die Zusatzbeiträge deutlich ansteigen.

Ein Durchschnittsverdiener zahlt heute knapp 22 Euro im Monat an Zusatzbeiträgen für die Krankenkasse, 2020 sollen es schon etwa 55 Euro sein. Das hat der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem berechnet.

Ein Durchschnittsverdiener zahlt heute knapp 22 Euro im Monat an Zusatzbeiträgen für die Krankenkasse, 2020 sollen es schon etwa 55 Euro sein. Das hat der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem berechnet.

Foto: imago stock&people / imago/Christian Ohde

Berlin.  Die Zusatzbeiträge der Versicherten an die Krankenkassen könnten sich in den kommenden vier Jahren mehr als verdoppeln. Zahlt ein Durchschnittsverdiener mit knapp 2000 Euro brutto heute knapp 22 Euro monatlich extra an die Krankenkasse, dürfte der Betrag bis 2020 bei knapp 55 Euro liegen. Das geht aus einer Studie des Duisburger Gesundheitsökonomen Jürgen Wasem hervor, wie „Spiegel Online“ berichtet.

Der Hintergrund sind schnell steigende Kosten im Gesundheitswesen: Schon jetzt fehlen nach Wasems Berechnungen 14,4 Milliarden Euro im Gesundheitsfond, der sich aus den regulären Sozialabgaben der Versicherten speist. Im Jahr 2020 werde der Fehlbetrag bei 36,7 Milliarden liegen. Um diese Lücke zu schließen, haben die Krankenkassen das Recht, einen monatlichen Zusatzbeitrag von den Versicherten zu verlangen. Der Zusatzbeitrag richtet sich nach dem Einkommen der Versicherten.

Kassen selbst rechnen mit weniger starkem Anstieg

Im Schnitt zahlen die Versicherten derzeit einen Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent ihres monatlichen Bruttolohns. Bis 2020 steigt dieser Beitrag nach Wasems Prognose auf 2,4 Prozent. Die Kassen selbst rechnen allerdings mit einem weniger starken Anstieg als der Professor für Medizinmanagement.

Schon 2016 haben die Versicherungen mit wenigen Ausnahmen die Zusatzbeiträge zwischen 0,1 und 0,6 Prozent angehoben. Der jüngste Kostenanstieg sei durch Reformen ausgelöst worden wie die bessere Honorierung von Landärzten sowie eine Verbesserung der Pflege in Krankenhäusern und der Notfallversorgung in Kliniken. Künftig werde sich die Situation laut Wasem wegen der demografischen Entwicklung verschärfen. Kämen auf 100 Menschen zwischen 20 und 60 Jahren heute 34 Ältere, seien es in 20 Jahren schon 60 Senioren. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nimmt an, dass die Kosten für das Gesundheitssystem bis dahin jährlich um acht bis zehn Prozent steigen.

Arbeitgeber stärker belasten?

Um der Kostenexplosion entgegenzuwirken, plant die Bundesregierung die Einführung einer „Kostenbremse“ für Arzneimittel: Macht ein Pharmaunternehmen mit einem neuen Medikament schon im ersten Jahr mehr als 250 Millionen Euro Umsatz, müssen die übrigen Präparate des Konzerns zu einem niedrigeren Preis verkauft werden. Außerdem soll das Überangebot an Krankenhäusern abgebaut werden. Diskutiert wird auch über eine stärkere Beteiligung der Arbeitgeber. Die Zusatzbeiträge werden schließlich nur von den Arbeitnehmern gezahlt. (küp)